Hölzel-Journal

Wirtschaftserziehung

Fallen und Betrügereien im Internet

23. Mai 2013

Von: Wilhelm Malcik

Unter dem Titel "Die Welt der Jugendlichen steckt in ihren Hosentaschen" - nach einem Zitat aus einer aktuellen Studie des Instituts für Jugendkulturforschung in Wien - hatten wir eine Artikelserie zur Konsumentenerziehung begonnen, die sich speziell mit der Online-Realität Jugendlicher befasst. Wir setzen heute fort mit einer Auswahl von typischen Fallen und Betrügereien im E-Commerce.

Fallen und Betrügereien im Internet

Nachgeahmte oder gefälschte Internetseiten

Besonders während der umsatzträchtigen Zeit um Weihnachten tauchen im Web immer wieder Internetseiten auf, die jenen bekannter Markenartikler nachgemacht sind und Mode, Kosmetika, Reisen, Computer oder Elekronikgeräte kostengünstig anbieten. Der Trick besteht darin, die Webseiten geringfügig zu verändern oder die Web-Adressen nicht sofort erkennbar umzugestalten, z.B. www. oeatmc.at statt www.oeamtc.at. Dabei wird oft verlangt, per Vorauskasse zu bezahlen. In der Regel ist das Geld weg, Mails bleiben unbeantwortet, die Internetseiten verschwinden irgendwann. Und die angegebenen Telefon- bzw. Faxnummern sind natürlich falsch.

Wie man sich gegenüber solchen Internetauftritten absichert und woran man solche Seiten gegenüber seriösen Angeboten unterscheiden kann, haben wir im letzten Artikel dieser Serie aufgezeigt.

Verführerische Gratisangebote

Gratisangebote sind oft mit Abonnements verbunden. Die Vorgangsweise ist immer dieselbe: Bevor die „Gratis-Software“, das „Gratisabonnement“ heruntergeladen werden kann, wird eine Registrierung verlangt, mit der automatisch ein Kaufvertrag angeklickt wird. Denn Hinweise auf Kostenpflicht fehlen oder sind nur an schwer auffindbarer Stelle sichtbar. Obwohl für solche Fälle klare Rücktrittsrechte existieren, lassen sich viele User bei Nichtbezahlen von drohenden Anwaltsbriefen einschüchtern und zahlen.

Die Arbeiterkammer und der Internet-Ombudsmann führen eine Watchlist für besonders hartnäckige Betreiber: www.ombudsmann.at. Dort findet man auch Musterbriefe für Rücktritte.

Der Internet Ombudsmann ist eine unabhängige Streitschlichtungs- und Beratungsstelle rund um das Thema Einkaufen im Internet. Wir geben Tipps für sicheres Online-Shopping und erarbeiten Qualitätsstandards für sicheren E-Commerce. Sollten beim Internet-Einkauf Probleme aufgetreten sein, die Sie selbst nicht lösen können, unterstützt Sie das ExpertInnenteam des Internet Ombudsmann kostenlos als neutraler Vermittler. Durch die von uns immer zuerst angestrebte außergerichtliche Streitschlichtung, können Probleme zwischen KonsumentInnen und Unternehmen meist rasch und unbürokratisch gelöst werden.

Sehr häufig registrieren sich Internetuser im Glauben, nur eine Testversion oder ein Probeheft bzw. Probeprodukt gratis erworben zu haben, ohne zu ahnen, dass sich dahinter ein Kaufvertrag (z.B. für ein Abonnement) verbirgt. Diese Tatsache wird meistens im schwer ersichtlichen Kleingedruckten oder in einem Bild versteckt, das sich langsam hochlädt und daher leicht übersehen wird.

Anwälte im Dienst der Abzocke

Einschüchterung ist ein häufiges Mittel für betrügerische Online-Unternehmen, um zu Geld zu kommen. Wer ein vermeintliches Gratisangebot angenommen und seine Daten weitergegeben hat, sieht sich bald mit einer Mahnung eines Anwaltes samt Klagsandrohung konfrontiert, wenn nicht binnen einer Frist ein Betrag auf ein Konto des Betreibers überwiesen wird.

Dubiose Anwälte, die mit den Abzockebetreibern gemeinsame Sache machen, hängen ihren E-Mails Rechnungen und „letzte Mahnungen“ an. Sie spekulieren damit, dass viele Konsumenten vor rechtlichen Schritten zurückschrecken und lieber zahlen. Oft haben die Betreiber ihren Sitz ins schwer erreichbare Ausland (z.B. Dubai) verlegt. Bei Angeboten beispielsweise zu Hausaufgaben, Musikdownloads oder Bastelanleitungen fällt der oft stets gleiche Aufbau der Webseiten auf. Das Kleingedruckte bzw. die Verbraucherbedingungen sollten daher unbedingt gelesen werden, ehe man den entscheidenden Mausklick für eine Bestellung tätigt.

Wir gratulieren – Sie haben gewonnen!

Gewinnzusagen sind ein weiteres Betätigungsfeld für Internetabzocker. Da bei angeblichen Lotteriegewinnen meist ausländische, real existierende Lotterien dabei auftauchen, werden von den Unsern arglos jene Beträge gezahlt, die als Bearbeitungsgebühr, Zustellgebühr oder Steuer verlangt werden, ehe es zur Auszahlung des Gewinnes kommen könne. Die Bekanntgabe persönlicher Daten wird innerhalb sehr kurzer Frist verlangt mit dem Hinweis, dass sonst der Gewinn verfallen würde. Als Kontaktdaten gibt es nur eine Telefonnummer, eine E-Mail- oder Postfachadresse. Auch eine Kaution für die Zustellung des Gewinnes wird oft noch zusätzlich zu den anderen „Gebühren“ verlangt. Nach Überweisung aller geforderten Beträge bricht der Kontakt abrupt ab und das Geld ist unwiederbringlich weg.

Bezahlen im Internet

Vorsicht ist bei der Bezahlung im Internet geboten. Jedenfalls Hände weg von Vorauszahlungen per Überweisung!

Kein Risiko geht man ein mit Rechnung und Zahlschein. Ein Bankeinzug (Lastschriftverfahren) ist wegen des 42-tägigen Rechts auf Widerruf vergleichsweise sicher, allerdings muss die persönliche Bankverbindung bekanntgegeben werden. Hier gilt es, die AGB genau zu lesen und die Kontaktdaten des Online-Anbieters genau zu überprüfen.

Bei Sendungen per Nachnahme bezahlt man erst, wenn die Lieferung der Ware bereits erfolgt ist. Die zusätzlichen Kosten dafür können als eine Art „Versicherung“ gesehen werden.

Sicher sind Bezahlsysteme, bei denen die eigenen Bankdaten einmalig deponiert werden. Konto- und Kreditkartendaten sollten über verschlüsselte Internetverbindungen erfolgen, erkennbar an den Adresszeilen mit „https“ oder Schloss- und Schlüsselsymbolen im Internetbrowser. Grün hinterlegte Adresszeilen oder Zertifikatssymbole gewähren auch Sicherheit. Einige Beispiele:

www.clickandbuy.com
www.paypal.at
www.paybox.at

Die beliebte Bezahlung per Kreditkarte ist zwar abgesichert durch das Recht auf Rückbuchung (nach schriftlichem Einspruch gegen missbräuchliche Abbuchungen), aber dieses Recht gilt nicht, wenn der Kunde fahrlässig gehandelt hat, also z.B. die Kartendaten per E-Mail weitergegeben hat.

Prepaid-Karten sind hingegen eine ganz sichere Möglichkeit der Bezahlung im Internet. Sie werden mit einem bestimmten Guthaben aufgeladen und benötigen kein der Karte zugrunde liegendes Konto. Beispiel:

www.paysafecard.com

Da wir in unserer täglichen Arbeit mit Minderjährigen und nur teilweise geschäftsfähigen Jugendlichen zu tun haben, wollen wir in der nächsten und zugleich letzten Folge dieser Serie auf die Problematik dieser Zielgruppe beim Online-Einkauf eingehen.

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