Hölzel-Journal

Wirtschaftskundliches Seminar

WIRTSCHAFTSKUNDLICHES SEMINAR - Folge 5: Von der Subsistenzwirtschaft zur Arbeitsteilung

21. Oktober 2008

Von: Wilhelm Malcik und Reinhard Schachermeier

Das WIRTSCHAFTSKUNDLICHE SEMINAR ist eine „Fortsetzungsgeschichte“ zur Vertiefung wirtschaftswissenschaftlicher und wirtschaftspädagogischer Kenntnisse. Jedes neue HÖLZEL-GEOJOURNAL setzt das Seminar in kleinen Einheiten als Download fort und folgt damit in überarbeiteter Form dem Handbuch zur Wirtschaftskunde in vier Bänden, wie es von 1990 bis 2001 bei Ed. Hölzel in mehreren Auflagen erschienen ist.

 II. DIE MODERNE VOLKSWIRTSCHAFT

Nachdem die ersten Grundbegriffe wirtschaftlicher Tätigkeit dargelegt sind, folgt nun die Zusammenschau zum wirtschaftlichen Ganzen, zur Volkswirtschaft oder Gesamtwirtschaft.

Die Gesamtwirtschaft einer Region, eines Landes und schließlich der Welt ist die Summe vieler Einzelwirtschaften. In diesen Einzelhaushalten, also in Privathaushalten und Unternehmen, spielt sich die Wirtschaft im kleinen Rahmen ab.

Während die Mikroökonomie die Vorgänge in den Einzelwirtschaften untersucht, beschäftigt sich die Makroökonomie damit, diese Vorgänge auf die Gesamtwirtschaft zu übertragen sowie volkswirtschaftliche Vorgänge zu beschreiben und zu begründen.

Volkswirtschaftliche Zusammenhänge wurden zuerst für marktwirtschaftlich orientierte, also kapitalistische Volkswirtschaften beschrieben. Daher wurde die Volkswirtschaftslehre auch als bürgerliche Wirtschaftswissenschaft bezeichnet.

Der Unterschied zwischen Mikro- und Makroökonomie kann am Beispiel von Angebot und Nachfrage deutlich gezeigt werden. Im privaten Haushalt entscheiden Angebot und Nachfrage die persönlichen Lebensumstände wesentlich mit. Die Mikroökonomie versucht daher, die allgemeinen Gesetzmäßigkeiten von Angebot und Nachfrage zu analysieren. In der Makroökonomie hingegen wird die Bedeutung der Gesamtnachfrage und des Gesamtangebotes für die ganze Volkswirtschaft untersucht.

Die moderne Volkswirtschaft ist ein komplexes Beziehungsgeflecht zwischen Einzelhaushalten, Märkten, Staat und anderen Staaten, transnationalen Unternehmen und Organisationen. Drei wichtige Merkmale zeichnen dabei die moderne Wirtschaftsgesellschaft aus: Arbeitsteilung, Kapital und Geld. Unter Kapital werden hier alle Wirtschaftsgüter verstanden, also Produktivgüter im weitesten Sinn. Da die Arbeitsteilung dabei den Grundstein für die Entfaltung der wirtschaftlichen Tätigkeiten und Fähigkeiten des Menschen legte, gehört sie zu den Grundtatsachen des ökonomischen Geschehens. Daher erklären die beiden nächsten Kapitel die Formen der Arbeitsteilung und deren Folgewirkungen für die gesamte Wirtschaft.

Abb.: Das gesamtwirtschaftliche Geschehen

4. Arbeitsteilung

Arbeitsteilung tritt in verschiedenen Formen auf und wird oft als Schlüssel zum Wohlstand bezeichnet. Das gilt für die Anfänge menschlicher Tauschwirtschaft ebenso wie für die komplexe Weltwirtschaft der Gegenwart. Produktiv zu arbeiten begann der Mensch, als er sich zunehmend auf die ihm am besten liegende Tätigkeit konzentrierte und gegen das Produkt dieser Tätigkeit Dinge eintauschte, die ein anderer vorteilhafter herzustellen verstand.

Download: Arbeitsblatt Arbeitsteilung

4.1 Von der Subsistenzwirtschaft zur modernen Volkswirtschaft

Reine Subsistenzwirtschaft liegt dann vor, wenn die Mitglieder eines Haushaltes ausschließlich für den eigenen Bedarf produzieren.

In der Subsistenzwirtschaft dienen produzierte Überschüsse nur der eigenen Vorratshaltung. Werden Überschüsse verwertet, indem sie gegen (Überschuss-)Produkte anderer Haushalte getauscht werden, beginnen sich Handel und Märkte zu entwickeln.

Märkte für Rohstoffe, Halbfertigwaren und Fertigprodukte entwickelten sich in dem Maße, in dem die Arbeitsteilung ganze Regionen und Länder erfasste (volkswirtschaftliche Arbeitsteilung). Die industrielle (maschinelle) Produktion ermöglichte neue Formen der innerbetrieblichen Arbeitsteilung bis hin zu extremer Arbeitszerlegung (Fließband). Die Entwicklung der modernen Transporttechnik und der Verkehrswirtschaft schließlich ermöglicht heute weltweite Arbeitsteilung zwischen Firmen, Ländern und Kontinenten.

Tabelle: Stufen wirtschaftlicher Entwicklung

WirtschaftsstufenTauschmittelArbeitsteilung
Naturalwirtschaftreine Subsistenzwirtschaftbiologische Arbeitsteilung
Subsistenzwirtschaft mit ÜberschussproduktionWarentauschberufliche Spezialisierung
GeldwirtschaftSubsistenzwirtschaft und MarktproduktionWarengeld Metallgeldüberbetriebliche Arbeitsteilung
gewerbliche Produktion für den MarktMünzgeld Papiergeldvolkswirtschaftliche Arbeitsteilung
industrielle Produktion für den WeltmarktMünzgeld Papiergeld Bankgeldinnerbetriebliche und weltwirtschaftliche Arbeitsteilung

War früher Arbeitsteilung eine Folge unterschiedlicher Fähigkeiten der Menschen (Jagen, Pflanzen, Weben, Töpfern, Schmieden usw.), so ist sie heute Grundlage der modernen Massenproduktion. Der damit verbundene materielle Lebensstandard wäre undenkbar, wenn sich die Produktion in autarken (Agrar-)Haushalten vollzöge.

Das Maschinen- und Computerzeitalter ist geradezu prädestiniert für extreme Arbeitsteilung: Für den kostengünstigen Einsatz von Maschinen (Automaten) ist eine Zerlegung in kleinste Produktionsschritte notwendig. An diesen Maschinen arbeiten Menschen, deren Tätigkeit auf diese Maschinen ausgerichtet ist. Die Maschinen ihrerseits werden von Spezialisten konstruiert, erzeugt und gewartet.

Die heute praktizierte Arbeitszerlegung in immer einfachere Handgriffe als extremste Form der Arbeitsteilung brachte aber zugleich eine Entqualifizierung von Millionen von Arbeitskräften, die als angelernte Arbeitskräfte besonders bei der Montage von Konsumgütern keine besondere berufliche Ausbildung benötigen.

In der industriellen Produktion sind folgende Fertigungsverfahren zu unterscheiden:
 
Werkstattfertigung: Hier sind einige Tätigkeitsbereiche (z.B. Lackieren, Drehen usw.) an einem Ort konzentriert, zu dem die Werkstücke transportiert werden.

Reihenfertigung: Die Arbeitstätigkeiten sind in einer Folge von Fertigungsstellen angeordnet, die ohne größere Transportwege von einem Produkt durchlaufen werden.

Fließfertigung: Die Reihenfertigung wird zur Fließ(band)fertigung, wenn sie einem festen zeitlichen Rhythmus (Taktzeit) unterworfen wird.

Gruppenfertigung: In einer Mischform von Werkstatt-und Reihenfertigung werden Bauteile, die zu zusammengehörigen Fertigungsgängen gehören, einer Fertigungsgruppe zugewiesen. Damit wird versucht, die Nachteile extremer Fließfertigung (psychische Belastungen, Entfremdung, Isolation, häufiger Arbeitsplatzwechsel) ebenso zu vermeiden wie die Nachteile der Werkstattfertigung (lange Transportwege).

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