Hölzel-Journal

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Zum Gedenken an Gustav KRAMER (1930-2017)

25. September 2017

Von: Harald Hitz

Am 18. März 2017 verstarb der langjährige Autor des Verlags Ed. Hölzel, Herr Prof. i. R. Oberstudienrat Mag. Dr. GUSTAV KRAMER. Für den VERLAG ED. HÖLZEL ist Gustav Kramers Name untrennbar mit der höchst erfolgreichen und zukunftsweisenden Schulbuchreihe „RAUM – GESELLSCHAFT – WIRTSCHAFT“ verbunden, deren AHS-Ausgabe seit dem Jahr 1982 (unter verschiedenen Zusatzbezeichnungen und immer wieder stark überarbeitet) bis heute im Programmangebot aufscheint.

Zum Gedenken an Gustav KRAMER (1930-2017)

Der in Kärnten am 29. Juli 1930 geborene Gustav Kramer wirkte zunächst als junger Lehrer an einer einklassigen Volksschule einer Bergbauerngemeinde im Mölltal, ehe er sein Studium der Biologie und Geographie an der Universität Wien begann und mit zwei akademischen Titeln abschloss. Er unterrichtete sodann bis zu seiner Pensionierung erfolgreich am BG/BRG Mödling-Keimgasse. Er lehrte auch an der Pädagogischen Akademie in Baden und war von 1977 bis 1994 Leiter des Unterrichtspraktikums des Pädagogischen Instituts für die GW-Junglehrer/innen an den AHS in Niederösterreich. Unzählige GW-Lehrer/innen konnten in dieser Zeit von seinen Ideen und seinem großen Wissen profitieren

Wie kam es zur Zusammenarbeit von Gustav Kramer mit dem Verlag Ed. Hölzel? Bei der Einführung der Gratisschulbuchaktion im Jahr 1972 gab es für den GW-Unterricht an der AHS-Oberstufe nur ein einziges GW-Buch: die berühmt-berüchtigte Schulbuchreihe SEYDLITZ. Die Ausgabe für Österreich wurde vom Verlag Ed. Hölzel verlegt, die redaktionelle Betreuung und die Markenrechte hatte der Verlag Ferdinand Hirt in Kiel inne. In diesen Siebzigerjahren waren aber zahlreiche GW-Lehrer/innen in Österreich mit dem damaligen Lehrplan, der den Unterricht einer sterilen Länderkunde zumindest ermöglichte, nicht einverstanden.

Gustav Kramer gehörte zu denen, die – neben Wolfgang Sitte – Reformen verlangten, andachten und in Aufsätzen und Referaten konkretisierten. Bei diesen Vorträgen zeigte sich Kramers besonderes Geschick, gegensätzliche Meinungen nicht abzukanzeln, sondern seine Ideen in logisch stringenter Art zu entwickeln, aber nie den Kontrahenten als „Verlierer“ erscheinen zu lassen. Er bewies in zahlreichen Diskussionen rund um eine Lehrplanreform unendliche Geduld mit Gegnern seiner Vorschläge und versuchte unermüdlich, diese von den Vorteilen seiner Ideen zu überzeugen. Er war Anhänger der Lernzieltheorie und der Idee, Themen der Allgemeinen Geographie an regionalen Beispielen zu behandeln und dadurch die bisherige Art der Länderkunde in der Schule zu ersetzen.

Der Versuch des Verlages Hölzel ab 1976, Gustav Kramer und den Verfasser dieser Zeilen in das bestehende Seydlitz-Autorenteam zu integrieren, scheiterte nach drei erfolglosen Sitzungen wegen zu großer Auffassungsunterschiede für das Konzept eines neuen Seydlitz-Bandes für die 5. Klasse AHS. Frau Sabine Hirt-Reger (Miteigentümerin des Verlages F. Hirt) und der damalige Geschäftsführer des Hölzel-Verlags, Dkfm. Hadmar W. Schandl, regten deshalb im Jahr 1977 an, dass sich zwei Autorenteams (eines für eine Seydlitz-Neubearbeitung, eines für ein gänzlich neues Buch) bilden sollten und in der Folge zwei Buchreihen mit unterschiedlichen Konzepten verlegt werden sollten. Diese Verlagsentscheidung nahm Rücksicht darauf, dass es in Österreich für den zukünftigen GW-Unterricht eben zwei unterschiedliche GW-Lehrergruppen gab.

Gustav Kramer und der Autor dieser Zeilen entwickelten hierauf ein themenorientiertes Konzept für das neue Schulbuch „Raum – Gesellschaft – Wirtschaft“ (dieser Titel sollte den Fokus auf räumliche geographische Gegebenheiten sowie auf Sozialgeographie und Wirtschaftskunde lenken), das im Jahr 1979 zur Approbation eingereicht wurde. Das erste Gutachten der Approbationskommission war niederschmetternd: „Thematischer GW-Unterricht ist zu schwierig und nicht altersgemäß, widerspricht außerdem dem gültigen AHS-Lehrplan“ lautete die Conclusio, das Manuskript wurde als Ganzes abgelehnt. Es ist den beiden genannten Verlagen  zu verdanken, dass sie sich voll hinter das Konzept von „Raum – Gesellschaft – Wirtschaft“ stellten. So wurde das Buchmanuskript an den damals modernen Lehrplan für Handelsakademien und Handelsschulen angepasst und auch an den für Höhere technische Lehranstalten adaptiert. Diese beiden Bände erschienen 1981.

Im Jahr 1982 konnte endlich auch die Ausgabe für die AHS (an der für die 5. Klasse zunächst Margarethe Hieber, ab 1983 Franz Zach, ab 1989 Wilhelm Malcik mitarbeiteten) erscheinen. Dieses nun approbierte Buch hatte freilich vom Kapitelablauf mit dem ursprünglichen Manuskript nur mehr wenig gemeinsam, schaffte aber das fast Unmögliche, in den vielen einzelnen Kapiteln, die auf Wunsch der Approbationskommission nach Erdteilen angeordnet werden mussten, die Ideen der Themen- und Lernzielorientierung umzusetzen. Im dazu erschienenen Begleitheft wurde Hilfe für die Umsetzung der Buchinhalte in der ursprünglichen Konzeption gegeben. Schon nach zwei Jahren war „Raum – Gesellschaft – Wirtschaft“ Marktführer an den AHS in Österreich. Die Ablehnung der Lernzieltheorie und der Themenorientierung in der Approbationskommission bröckelte in der Folgezeit und machte auch anderen Verlagen Mut, GW-Bücher neuen Stils im Schulbuchmarkt anzubieten. Umarbeitungen größeren Stils von „Raum – Gesellschaft – Wirtschaft“ wurden in den Jahren 1989, 1996, 2004 und schließlich 2013 vorgenommen. Mit einem neuen Oberstufenlehrplan von 1988/1989 hatten sich Kramers Ideen aus den Siebzigerjahren voll durchgesetzt, ab 1989 bildeten Themen- und Lernzielorientierung das Grundgerüst der Buchreihe von „Raum – Gesellschaft – Wirtschaft“.

Es bleibt das Verdienst Gustav Kramers, mit seinen Ideen, seiner stets gegebenen Gesprächsbereitschaft und auch seiner Beharrlichkeit der österreichischen Schulgeographie neue Wege erschlossen und auf dem Schulbuchsektor neue Türen aufgestoßen zu haben. Der Verlag Ed. Hölzel wird Gustav Kramer stets ein ehrenvolles Andenken bewahren.

Zur aktuellen Buchreihe „Raum-Gesellschaft-Wirtschaft (RGW) neu“

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