Hölzel-Journal

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Zum 200. Geburtstag von Eduard Hölzel (Teil 3)

1. Februar 2018

Von: Petra Kubíčková

Vor 200 Jahren am 8. Oktober 1817 wurde in Prag unser Verlagsgründer Eduard Hölzel geboren. Olmütz in Mähren und dann Wien waren wichtige Stationen seines Lebens. Anlässlich dieses Jubiläums findet in Olmütz (Olomuc) heuer ab 2. November in der dortigen Wissenschaftliche Bibliothek eine Eduard-Hölzel-Ausstellung statt. Frau Petra Kubíčková, Mitorganisatorin der Ausstellung, hat uns dazu dankenswerterweise eine Biografie der Olmützer Phase dieser für das österreichische Bildungswesen wichtigen Persönlichkeit zur Verfügung gestellt.

Eduard Hölzel als Schulbuchverleger in Olmütz und Wien

Petra Kubíčková, Wissenschaftliche Bibliothek Olmütz (Vědecká knihovna v Olomouci) (Übersetzung: Jiří Černý)

Außer dass sich Hölzel – wie in Teil 2 berichtet – mit großem Interesse und gewaltiger Pflege der Herausgabe von Publikation mit reichem Bildschmuck widmete, gab es noch einen Bereich seines beruflichen, aber auch persönlichen Interesses, der wohl den wichtigsten Teil seiner Arbeitskraft beanspruchte. Eduard Hölzel erkannte nämlich bald aufgrund zahlreicher Anregungen, die besonders aus den Lehrerkreisen kamen, aber vor allem dank seiner Umsicht und Vorlieben, dass auf dem Gebiet der Österreichisch-Ungarischen Monarchie wichtige Lehrmittel besonders für den Geografieunterricht fehlten. Er hielt Geografie und Kartografie für zwei der wichtigsten wissenschaftlichen Bereiche, weil ohne Landkarten keine wirtschaftlichen, botanischen und politischen Fragen richtig beantwortet werden konnten. Hölzel fand eben im Bereich der Kartografie ein breites Wirkungsfeld, das allmählich zu seiner wichtigsten Angelegenheit wurde, ja fast zu seiner Lebensaufgabe.

Hölzel gründete etwa zur selben Zeit, als er das Kunstinstitut von Hořegší in Wien übernahm, also im Jahre 1861, in der österreichischen Hauptstadt das Geografische Institut, überhaupt das erste und für lange Zeit das wichtigste private Unternehmen dieser Art in Österreich. Er erwarb zu diesem Zweck ein Haus im 4. Bezirk (Luisengasse, heute ein Neubau in der Mommsengasse Nr. 5), wo er das lithografische und geografische Institut und die Druckerei vereinte. Dorthin übertrug er auch allmählich den Sitz seines Verlages. Im Jahre 1871 zog er auf Dauer nach Wien, wobei die Werke seines Verlagshauses sowohl in Wien als auch in Olmütz erschienen. Hölzels Unternehmen wies seit diesem Zeitpunkt klare Attribute eines Fachverlages auf, der sich in erster Linie auf die Herausgabe von Geografielehrbüchern, Landkarten und Atlanten spezialisierte. An zweiter Stelle konzentrierte er sich auf die Herausgabe von Fachpublikationen, insbesondere auf prachtvolle botanische Werke, weiter auf Lehrbücher und Bücher, Reiseberichte, heimatkundliche und historische Publikationen und Handbücher. Den kleinsten Bestandteil seiner verlegerischen Arbeit stellten die Zeitungen und Zeitschriften dar. Er trat dank persönlichen Beziehungen und bisheriger wertvoller Produktion häufiger in Kontakt mit österreichischen Wissenschaftlern und Gelehrten, zu denen zum Beispiel die Geologen Eduard Suess und Franz Hauer, der Geodät und Kartograf Karl Kořistka oder der Statistiker und Kartograf Josef Erben gehörten. Im Jahre 1858 befreundete sich Eduard Hölzel mit dem Gymnasialprofessor, Erdkundler und Kartograf Blaž Kocen, welcher mit Begeisterung Hölzels Plan annahm, einen österreichischen Schulatlas herauszugeben. Der erste Schulatlas erschien 1861 und erlebte einen Riesenerfolg, wurde breit verwendet und wird mit vielen Abänderungen bis heute produziert.31 Man setzte auch nach Eduards Tod diese Marktstrategie des Verlages mit einem Schwerpunkt in der Kartographie fort. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde das Sortiment um geläufige Straßenkarten für Autofahrer erweitert und als auf Schulbücher und Atlanten  spezialisierter Verlag ist das Unternehmen bis heute erfolgreich. Das verdankt es auch seinem Gründer Eduard Hölzel, welcher rechtzeitig eine Marktlücke erkannte und sie bald danach durch sein Wirken füllte. Sein Verlag deckte mit dessen Produktion das Fachgebiet Geografie und Kartografie ab und leistete diesen Fächern einen wichtigen Dienst.32 Die österreichische Katografieproduktion konnte sich dadurch von der deutschen emanzipieren.

Eduard Hölzel war ein Mann, dessen Bedeutung für die Entwicklung des österreichischen, aber auch mährischen Buchhandels wirklich enorm war und dessen Verdienste zumindest nach seinem Tod allgemein bekannt waren. Nicht nur seine Kollegen, sondern auch seinerzeit der Kaiser hielten ihn in Ehren und schätzten ihn hoch. Hölzel war ein nicht nur in seinem Fach gebildeter, fähiger und unglaublich aktiver und tatkräftiger Mensch, welcher keine Herausforderung fürchtete und oft Risiken einging. Im gesellschaftlichen Umgang war er außerordentlich leutselig. Er zeigte reges Interesse für Kunst und Musik, traf gerne verschiedene Künstler und Gelehrte und sein Haus wurde von seltener Gastfreundlichkeit beherrscht. Die Beziehungen mit ihm waren immer inspirierend und anregend und er gewann durch seine fröhliche Lebensanschauung sowie durch seinen freundlichen und klugen Humor viele Freunde. Er ging mit seinen Nächsten immer sehr ehrlich um und war allen seinen Freunden ein aufrichtiger und gefälliger Ratgeber. Dass er die Stadt Olmütz auswählte, wo er seinen ersten eigenen Laden aufmachte, stellte den wichtigsten Schritt seines Lebens dar. Er selbst dachte daran später zurück33: „Nachdem ich 1860 mein Wiener Geschäft gründete und in Folge seiner Ausbreitung genöthigt war, im Jahre 1870 mein Domicil nach Wien zu verlegen, verließ ich Olmütz ungern, wo ich durch beinahe ¼ Jahrhundert neben mancherlei Sorgen und Mühen recht glückliche Zeiten verlebt hatte, wo mir ein reines, schönes Familienglück erblüht war. Wohl mußte ich befürchten, daß durch meine längere Abwesenheit von Olmütz ein Rückgang meines dortigen Geschäftes erfolgen könnte, aber durch die so lange Jahre hierauf verwendete Sorgfalt blieben nicht nur alle Gönner und Abnehmer meiner Buchhandlung derselben getreu, sondern es trat zu meiner Befriedigung statt einer Verminderung eine erhebliche Erweiterung meines Umsatzes in Olmütz ein … Es war daher nur ein Gefühl der Dankbarkeit, das mich zur Herausgabe einer „Geschichte der königl. Hauptstadt Olmütz“ veranlaßte, um meinen geehrten Mitbürgern einen, wenn auch nur geringen Beweis meiner treuen Anhänglichkeit an diese mir so lieb gewordene Stadt zu liefern.“

Der Artikel beruht auf einem Beitrag aus dem Ausstellungskatalog Eduard Hölzel. 1817–1885, der von der Wissenschaftlichen Bibliothek in Olmütz (Vědecká knihovna v Olomouci) anlässlich des 200. Geburtstages von E. Hölzel veröffentlicht wurde.

Fußnoten:

31) Bratec Mrvar, Rožle et al. Kocenov srednješolski atlas kot didaktična prelomnica. Ljubljana: Založba ZRC, 2011. 120 S. Geografija Slovenije, 22. ISBN 978-961-254-335-8.

32) FUHS, Peter. Fünf land- und forstwissenschaftliche Fachverlage. Ein Beitrag zum Verlagswesen in Österreich. Diplomarbeit zur Erlangung des Magistergrades der Philosophie eingereicht an der Geisteswissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien. Wien, 1996, S. 37.

33) Vorrede in Müller, Willibald. Geschichte der königlichen Hauptstadt Olmütz. Wien und Olmütz, 1882.

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