Hölzel-Journal

Wirtschaftskundliches Seminar

WIRTSCHAFTSKUNDLICHES SEMINAR - Folge 4: Produktionsfaktoren Kapital und Wissen

4. September 2008

Von: Wilhelm Malcik und Reinhard Schachermeier

Das WIRTSCHAFTSKUNDLICHE SEMINAR ist eine „Fortsetzungsgeschichte“ zur Vertiefung wirtschaftswissenschaftlicher und wirtschaftspädagogischer Kenntnisse. Jedes neue HÖLZEL-GEOJOURNAL setzt das Seminar in kleinen Einheiten als Download fort und folgt damit in überarbeiteter Form dem Handbuch zur Wirtschaftskunde in vier Bänden, wie es von 1990 bis 2001 bei Ed. Hölzel in mehreren Auflagen erschienen ist.

3.3 Kapital

Der Begriff Kapital leitet sich von caput (lat. Viehkopf) her: In der Agrarwirtschaft war das Vieh die wichtigste Form des Kapitals. Im volkswirtschaftlichen Sinn meint man damit das Realkapital (Sachkapital), also die Gesamtheit aller bei der Produktion notwendigen Mittel (ausgenommen Boden). Dazu zählen Werkzeuge, Maschinen, Gebäude, Fahrzeuge, Roh-und Hilfsstoffe, Waren sowie Halb-und Fertigerzeugnisse (Produkte, die den Erzeugungsprozess bereits teilweise oder ganz durchlaufen haben, aber noch nicht verkauft sind). 

Kapital besteht also aus Gütern, die in früheren Produktionsprozessen erzeugt, aber noch nicht konsumiert wurden und somit in der Lage sind, zukünftige Konsumgüter zu produzieren.

Als Geldkapital bezeichnet man die finanziellen Mittel, die zur Anschaffung von Realkapital bereitgestellt werden. Die Umsetzung von Geld- in Sachkapital wird Investition genannt.

Der Wert der Infrastruktur einer Volkswirtschaft wie z.B. Verkehrseinrichtungen, Krankenhäuser, Bildungsstätten, Verwaltungs-und Sicherheitsdienststellen bezeichnet man als Sozialkapital.

3.4 Humankapital

Geistiges Kapital, also Wissen, gilt als vierter Produktionsfaktor. Dieser ist Grundlage und Voraussetzung für den technischen Fortschritt. Damit wird erreicht, dass bei gleich bleibendem Einsatz der Produktionsfaktoren ein qualitativ oder quantitativ besseres oder bei geringerem Einsatz ein gleich bleibendes Produktionsergebnis erzielt wird. Technischer Fortschritt entsteht aus dem Zusammenwirken der Faktoren (schöpferische) Arbeit und Kapital. Eine Erfindung benötigt meist eine Investition, um wirtschaftlich genutzt werden zu können.

Der Bildungsstand der Bevölkerung, vor allem die relative Anzahl der Facharbeiter, der Absolventen von höheren Schulen oder von Universitäten, ist ein wichtiger Indikator für die Leistungsfähigkeit einer Volkswirtschaft.

Auch Humankapital (Wissen) bedarf einer Investition:
Man kann es direkt in Form von Lizenzen oder Patenten kaufen und unmittelbar einsetzen.
Man kann Arbeitnehmer engagieren, die über das benötigte Wissen verfügen.
Man kann den Wissensstand der eigenen (vorhandenen) Arbeitnehmer verbessern, indem man sie zu Seminaren und Fortbildungsveranstaltungen schickt.

Kopiervorlage 3: Produktionsfaktoren (Seite 45)

3.5 Produktionsfaktoren in der Betriebswirtschaftslehre

Die Betriebswirtschaftslehre hat eine etwas andere Sicht der Produktionsfaktoren.
Die (ausführende) Arbeit, die Betriebsmittel (Gebäude, Maschinen, Geschäftsausstattung) und die Werkstoffe (Rohstoffe, Halb- und Fertigerzeugnisse) gelten als originäre Elementarfaktoren. Die dispositive Arbeit als derivativer Faktor umfasst das Management des Betriebes.

I

In betriebswirtschaftlicher Sicht unterscheidet man Vermögen und Kapital.
In einer Bilanz  wird gegenübergestellt, wie die finanziellen Mittel aufgebracht und wie sie verwendet werden.

Die rechte Seite der Bilanz (Haben) gibt Auskunft darüber, wie die finanziellen Mittel (das Kapital) aufgebracht werden. Eigenkapital stammt vom Eigentümer, Fremdkapital ist geborgtes Geld. Daher zählen auch die Verbindlichkeiten zum Kapital, z.B. für Lieferungen und Leistungen anderer an das Unternehmen.

Die linke Seite der Bilanz (Soll) weist die Verwendung der Gelder nach. Anlagevermögen sind z.B. Gebäude und Maschinen, Umlaufvermögen sind Waren und Geldbestände. Zum Vermögen zählen auch Forderungen (Guthaben) aus Lieferungen und Leistungen.

3.6 Preise der Produktionsfaktoren

Miete (Pacht) ist der Preis für den Produktionsfaktor Boden. Er hängt von der Art der Nutzung ab. Bei Übergang von einer Nutzung (z.B. Anbau) in eine andere (z.B. Standort) sind starke Unterschiede möglich. Bei Anbau und (insbesondere) Standort ist das Angebot sehr unelastisch (die Menge der Böden ist beschränkt), wodurch sich eine hohe ökonomische Rente (Kapitaleinkunft aus Grund und Boden) erzielen lässt.

Lohn ist der Preis für den Faktor Arbeit. Die Vergütung für Arbeitsleistung der Unselbständigen bezeichnet man bei den Arbeitern als Lohn, bei den Angestellten als Gehalt, bei den Lehrlingen als Lehrlingsentschädigung, bei den Beamten als Bezug. Auch das Einkommen der Selbständigen hat teilweise Lohncharakter, wie z.B. Gagen der Künstler oder Honorare der Angehörigen freier Berufe. Der Mindestlohn wird durch den Kollektivvertrag (Vereinbarung zwischen den Interessenvertretungen der Arbeitnehmer und der Arbeitgeber) festgelegt. Die Differenz zwischen diesem und dem tatsächlich bezahlten Lohn (Istlohn) bezeichnet man als Lohndrift. Die Lohnquote ist der Anteil des Einkommens aus unselbständiger Arbeit am Volkseinkommen.

Zinsen sind der Preis für die Überlassung von Kapital auf Zeit. Nominalzins ist der Prozentsatz (meist pro Jahr, p. a. = per anno) vom Nennwert des Kapitals, Realzins ist der Kaufkraftzuwachs zwischen den Zeitpunkten der Verleihung und der Rückzahlung.

3.7 Ertragsgesetz

Ein Produktionsprozess läuft unter Einsatz von mehreren Produktionsfaktoren ab. Das so genannte Ertragsgesetz gibt an, wie sich Erträge verändern, wenn die Produktionsfaktoren vermehrt eingesetzt werden. Dieses Problem wurde erstmals von J. H. von Thünen (1783–1850) aufgegriffen.

Die genaue Formulierung lautet:

Wenn man die Einsatzmenge eines Inputfaktors bei Konstanz der anderen Faktoren erhöht, dann ergeben sich zunächst steigende, dann abnehmende Ertragszuwächse. Nach dem Ertragsmaximum werden die Ertragszuwächse negativ.

Ein Beispiel aus der Landwirtschaft soll dies verdeutlichen. Dabei gehen wir der Einfachheit wegen von nur einem Produktionsfaktor (Arbeitskraft) aus, der verändert wird. Der Einsatz anderer, meist gleichzeitig eingesetzter Faktoren (z.B. Kapital in Form von Maschinen, Düngemittel usw.) wird als konstant angenommen. Bei steigendem Einsatz von Arbeitskräften (ausgedrückt in Arbeitsstunden) nimmt der Hektarertrag vorerst sehr rasch ab, dann langsamer zu, um ab einem bestimmten Punkt (wenn der Arbeitseinsatz mehr Schaden als Nutzen anrichtet) zu fallenden Gesamterträgen zu führen. Dieselben Überlegungen können genauso auf Maschinen und Düngemittel übertragen werden.

Den jeweiligen Ertragszuwachs bezeichnet man als Grenzertrag. Er sagt aus, um wie viel Einheiten der Ertrag (z.B. kg Weizen pro ha) zunimmt, wenn man den Einsatzfaktor um eine Einheit (z.B. einen Arbeitstag eines Landarbeiters) erhöht. Mathematisch gesehen ist der Grenzertrag die erste Ableitung der Gesamtertragsfunktion.

Der mittlere Ertrag ergibt sich als Quotient von Gesamtertrag durch Faktoreinsatzmenge.

Das Ertragsgesetz kann für die Landwirtschaft und für biologische oder chemische Produktionsprozesse als gültig betrachtet werden. Für andere Produktionen wird er als nicht repräsentativ angesehen.

Download Kopiervorlage: Gesetz vom abnehmenden Ertragszuwachs

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