Hölzel-Journal

Wirtschaftskundliches Seminar

WIRTSCHAFTSKUNDLICHES SEMINAR - Folge 36, Teil 2: Betriebliche Organisation

20. September 2017

Von: Wilhelm Malcik und Reinhard Schachermeier

Mag. Wilhelm Malcik und Dkfm. Mag. Reinhard Schachermeier   Das WIRTSCHAFTSKUNDLICHE SEMINAR ist eine „Fortsetzungsgeschichte“ zur Vertiefung wirtschaftswissenschaftlicher und wirtschaftspädagogischer Kenntnisse. Jedes neue HÖLZEL-JOURNAL setzt das Seminar in kleinen Einheiten als Download fort und folgt damit in überarbeiteter Form dem Handbuch zur Wirtschaftskunde in vier Bänden, wie es von 1990 bis 2001 bei Ed. Hölzel in mehreren Auflagen erschienen ist.

3. Matrixorganisation

Bei der Matrixorganisation wird nach Funktionen (Aufgaben) gegliedert, andererseits nach Sparten. In der grafischen Darstellung entsteht ein Gitter, eine so genannte Matrix.

 

4. Spartenorganisation

Bei der Spartenorganisation wird das Unternehmen in produktorientierte Bereiche (Sparten, Divisionen) geteilt. Jede Sparte wird als Profitcenter bezeichnet und hat eine eigene Leitung: Nur die allgemeinen Bereiche wie Rechnungswesen oder Finanzierung werden zentral geführt. Jeder Bereich hat also einen eigenen Einkauf, eigeneProduktion und eigenen Verkauf.

 

5. Projektorganisation

Die Projektorganisation ist eine Sonderform, die bei zeitlich begrenzten, nicht regelmäßig anfallenden Problemstellungen eingesetzt wird.

Beispiel: Umstellung eines Arbeitsgebietes auf EDV. Hier wird ein Projektteam gebildet, das meist aus Fachleuten der betroffenen Abteilungen und EDV-Experten besteht. Diese Personen bleiben weiterhin ihren „gewohnten” Stellen zugeordnet. Sie werden für eine bestimmte Zeit oder für einen Teil ihrer Arbeitszeit in der Projektgruppe verwendet.
Nach Erreichen des Projektziels (nach der Installation des EDV-Programms) kehren sie wieder ganz an ihre ursprünglichen Stellen zurück.

Wenn die Arbeitsabläufe im Vordergrund der Betrachtung stehen, spricht man von Ablauforganisation.

Die Ablauforganisation regelt die Gliederung auf die Inhalte der Arbeitsabläufe sowie den Kommunikationsfluss.

Im Einzelnen geht es um die Gestaltung von Belegen (z.B. eines Produktionsauftrags), um die Regeln für die Weitergabe und Bearbeitung der Belege (z.B. muss der Produktionsauftrag vom kaufmännischen und vom technischen Leiter unterzeichnet und an den Produktionsleiter weitergegeben werden; dieser muss den konkreten Maschineneinsatz planen) und um die Vorgangsweise bei Mitteilungen und Informationen.

Zur Darstellung werden verschiedene grafische Techniken eingesetzt: Balkendiagramme, Netzpläne, Ablaufpläne, Entscheidungstabellen.

 

 

Die Wirklichkeit im Betrieb hält sich nicht immer an die schönen Theorien der Aufbau- und Ablauforganisation. Häufig bilden sich informelle Organisationsstrukturen.

  1. Auf Grund von besonderen Charaktereigenschaften entstehen „graue Eminenzen“ oder „informale Führer“.
    Beispiel: Herr Müller, Leiter der Personalverrechnung, kennt alle Mitarbeiter sehr gut. Sein Rat wird auch in der Einkaufsabteilung in Anspruch genommen.
  2. Auf Grund persönlicher Bekanntschaften entstehen informelle Kommunikationswege.
    Beispiel: Ing. Maier, Leiter der Produktion, und Herr Mader, Gebietsvertreter für Salzburg, gehen zusammen segeln und haben schon viele Kundenprobleme auf kurzem Weg bereinigt.
  3. Bedingt durch komplizierte offizielle Regelungen entstehen informelle, vereinfachte Normen.
    Beispiel: Statt bei einem Maschinenschaden den langwierigen Instanzenweg einzuhalten, ersucht Vorarbeiter Huber den Hauselektriker direkt um die Überprüfung der elektrischen Anlage.

Solche informelle Strukturen sollten rechtzeitig erkannt und in die Organisation eingebunden werden, um ihre positiven Effekte zu nützen und die negativen zu vermeiden.

Es ist besser, Mängel nicht erst nachträglich festzustellen, sondern bereits während der Produktion aufzuzeigen. Deshalb kennt die betriebliche Überwachung zwei Aspekte:

  1. Kontrolle ist die ständige Beaufsichtigung betrieblicher Vorgänge, z.B. Qualitätskontrolle beim Einkauf, genaue Zeiterfassung der Arbeitszeiten, Terminkontrollen in der Fertigung, Produktivitätskennzahlen in der Erzeugung, Inventur (mengenmäßige Feststellung und Bewertung) der Lagerbestände.
  2. Prüfung (Revision) ist die nachträgliche Untersuchung von Vorgängen. Dafür gibt es zwei Möglichkeiten:
  • interne Revision durch eigene Mitarbeiter (z.B. Prüfung der Bankfilialen durch die Revisoren der Zentrale);
  • externe Revision durch Außenstehende (z.B. Prüfung der Bilanz einer Aktiengesellschaft durch einen Wirtschaftstreuhänder).
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