Hölzel-Journal

Wirtschaftskundliches Seminar

WIRTSCHAFTSKUNDLICHES SEMINAR - Folge 34: Management und Unternehmensführung

26. November 2015

Von: Wilhelm Malcik und Reinhard Schachermeier

Das WIRTSCHAFTSKUNDLICHE SEMINAR ist eine „Fortsetzungsgeschichte“ zur Vertiefung wirtschaftswissenschaftlicher und wirtschaftspädagogischer Kenntnisse. Jedes neue HÖLZEL-JOURNAL setzt das Seminar in kleinen Einheiten als Download fort und folgt damit in überarbeiteter Form dem Handbuch zur Wirtschaftskunde in vier Bänden, wie es von 1990 bis 2001 bei Ed. Hölzel in mehreren Auflagen erschienen ist.

12. Unternehmensführung

12.1 Management und Unternehmensziele

Die Führung des Unternehmens ist Aufgabe des so genannten dispositiven Faktors.
Damit meint man jene Gruppe von Personen, die anderen Weisungen erteilen darf und im Allgemeinen als Management bezeichnet wird.

Erste Aufgabe der Unternehmensführung ist die Festlegung der konkreten betrieblichen Zielsetzungen. Alle anderen Entscheidungen lassen sich daraus ableiten und betreffen die Wahl der Mittel zur Zielerreichung. Die Stufen Planung, Durchführung, Kontrolle schließen nahtlos aneinander an und lassen sich als Managementkreis darstellen.

Die Manager an der Unternehmensspitze nennt man Top Management (z.B. Generaldirektor, Kaufmännischer oder Technischer Direktor), die Ebene darunter Middle Management (Abteilungsleiter, z.B. Leiter der EDV oder Leiter der Produktion). Werkmeister oder Bürochefs könnte man als Lower Management bezeichnen.

Die Festlegung der Ziele hängt ab von

  • den Eigentumsverhältnissen (Privateigentum oder öffentliches Eigentum);
  • der Wirtschaftsordnung (inwieweit sind Elemente der Planwirtschaft wirksam);
  • der Einstellung der Manager oder Eigentümer (z.B. zu sozialen Fragen oder Umweltfragen);
  • dem Ausmaß der Mitbestimmung der Arbeitnehmer (z.B. bei Kündigungen).

Allgemein wird die langfristige Gewinnmaximierung (maximale Rendite auf das eingesetzte Eigenkapital) als oberstes Ziel in der freien oder sozialen Marktwirtschaft anerkannt. Andere Ziele können zeitweise das Ziel der Gewinnmaximierung ersetzen oder als „Rahmenbedingungen“ in die Zielformulierung eingehen:

  • Kostendeckung oder optimale Deckung des Bedarfs bei öffentlichen Betrieben
    (z.B. Post, Bundesbahn, Müllentsorgung);
  • Streben nach Marktanteilsvergrößerung oder Umsatzsteigerung;
  • Sicherung der Arbeitsplätze (vor allem in Krisenzeiten);
  • Verpflichtung gegenüber der Familien- oder Firmentradition;
  • Verminderung der Umweltbelastung;
  • Gewinnung eines positiven Image in der öffentlichen Meinung.

12.2 Planung und Entscheidungsfindung

Wenn plötzlich Gäste kommen, muss man improvisieren. Bei längerfristigen Einladungen bleibt genügend Zeit, die Speisenfolge, die Sitzordnung und die notwendigen Einkäufe zu planen. Auch in einem Unternehmen wird man auf unerwartete Situationen mit Improvisation reagieren müssen. Doch im Normalfall sollte eine Planung stattfinden, d.h. ein „Vorausdenken“ über Ziele und Prozesse, die zur Erreichung der Ziele notwendig sind. Bei der Planung geht es also darum, was erreicht werden soll und wie das geschehen soll.

Planung bedeutet Treffen von Entscheidungen, die in die Zukunft gerichtet sind.

Natürlich können nicht alle betrieblichen Bereiche direkt in einem Plan untergebracht werden. Es entsteht ein System von Teilplänen, die dann zu einem Gesamtplan zusammengefasst werden.

Beispiel:
Wenn Sie eine Sommerreise planen, so wirken mehrere Teilpläne zusammen, die sich natürlich gegenseitig beeinflussen:
Der Finanzplan enthält das verfügbare Geld und limitiert die möglichen täglichen Ausgaben;
der Besichtigungsplan legt fest, welche Städte und welche Sehenswürdigkeiten besucht werden sollen;
der Reiseplan richtet sich nach den Flug- oder Fahrplänen und legt Abfahrts- und Ankunftszeiten fest.
Weitere Pläne, z.B. bezüglich Übernachtungen (im Zug, im Zelt, in der Jugendherberge oder im Hotel), Besuch von Freunden oder Verwandten (vielleicht auch eine Übernachtungsmöglichkeit?) oder sportlichen Aktivitäten sind denkbar.

Jede Planung geht vom Grobziel (Unternehmensziel) aus und detailliert dieses in Form von Feinzielen. Man sammelt Informationen zur Vorbereitung der Entscheidung zwischen mehreren Alternativen. Danach plant man die Durchführung der beschlossenen Aktivitäten, die Vorgabe von Sollwerten und letztlich auch deren
Kontrolle.

Bei der Entscheidungsfindung kommen Problemanalysen und der Gewinnung von Lösungsmöglichkeiten besondere Bedeutung zu.

Es hat sich gezeigt, dass Diskussionen in Gruppen zu besseren Ergebnissen führen als einsame Entscheidungen eines Einzelnen. Dafür hat man spezielle Methoden entwickelt, z.B. das Brainstorming.

Brainstorming: Mehrere Personen unterschiedlicher fachlicher Qualifikation schlagen ganz spontan möglichst viele Lösungen vor. Keine Lösung wird gleich kritisiert, eine Bewertung findet erst am Ende statt.
Vorteil: Kreation zahlreicher neuer Problemlösungen, positive Motivation der Teilnehmer.
Nachteile: viele unbrauchbare „Lösungen“, Gefahr des Abgleitens in unbedeutende Nebenaspekte.

Download: Kopiervorlage Managementkreis

Diese Darstellung der Management-Aufgaben als Kreis verdeutlicht, dass die einzelnen Führungsaufgaben sich laufend wiederholen. Mit der Realisierung ist die einzelne Aufgabe nicht abgeschlossen. Die Kontrolle zeigt, ob die geplanten Ziele erreicht wurden. Darauf aufbauend können neue Ziele entwickelt bzw. die bisherigen justiert werden und der Kreislauf beginnt von vorne.

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