Hölzel-Journal

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Arbeit mit Bildmaterial in GW-Schulbüchern der Unterstufe am Beispiel von „Meridiane“

16. Februar 2015

Von: Ingrid Kucera

Bildmaterial bietet ideale Möglichkeiten des Einsatzes im GW-Unterricht, besonders in der Unterstufe. Es kann und soll auch zum Aufbau des Weltbildes der Kinder und Jugendlichen beitragen. Umso verantwortungsbewusster muss mit diesem Medium umgegangen werden. In diesem Hölzel-Journal soll ein Überblick zu den unterschiedlichen Einsatzmöglichkeiten im Unterricht am Beispiel des neuen Lehrwerks „Meridiane“ für die Unterstufe gegeben werden.

Der Einsatz von Bildmaterial in GW-Schulbüchern der Unterstufe

Bildmaterial kann und soll die Entwicklung der Schüler/innen sowie den Aufbau diverser Kompetenzen unterstützen und fördern. Ein sinnvoller, gut gewählter und vor allem verantwortungsbewusster Einsatz ist unumgänglich, um das Beobachten, Beschreiben und Bewerten von Bildmaterial üben und festigen zu können. Es darf nicht die Gefahr übersehen werden, dass mit der Auswahl der Bilder auch Vorurteile provoziert werden können oder dass sogar falsche, manipulative Bilder in den Köpfen der Schüler/innen erzeugt werden. Der Auswahl des Bildmaterials liegen unterschiedliche Prämissen zugrunde, von denen die meisten auf Subjektivität basieren. Umso bedeutender ist der „richtige“, d.h. bewusste Umgang mit dem Bildmaterial, der von der Lehrperson unterstützt werden kann, aber auch von der Auswahl im Buch und den dazu passenden  Aufgabenstellungen. Die Lehrperson kann auch zusätzliches Bildmaterial zur Verfügung stellen oder die Schüler/innen zu einer weiteren Recherche anregen.

Der Einsatz von Bildmaterial in Meridiane Unterstufe

Bildmaterial in Schulbüchern hat sehr oft „nur“ einen beschreibenden oder auflockernden Effekt und steht damit in erster Linie passiv zur Verfügung. Eine aktive Arbeit mit diesem Medium wird hingegen nur selten gefordert. Mit „Meridiane Unterstufe“ wird ein anderer Weg eingeschlagen: Zu jedem Bild wird mindestens eine Aufgabe gestellt, wodurch der aktive Umgang mit dem Bildmaterial gefordert und gefördert wird. Die Arbeit mit Bildmaterial wird in „Meridiane Unterstufe“ auch gezielt als Vorbereitung für eine Oberstufe eingesetzt.
Die Herausforderung in der Konzeptionierung und auch Umsetzung bestand darin, einerseits entsprechendes Textmaterial anzubieten, womit die Lesekompetenz der Schüler/innen geschult werden kann, andererseits aber passendes Bildmaterial gezielt einzusetzen und gleichzeitig kein „Bilderbuch“ zu gestalten. Zum Teil wurde auf Bilderklärungen verzichtet, um die Interpretationsmöglichkeiten der Schüler/innen nicht einzuschränken. Die Schüler/innen sollen sich sowohl auf kognitiver als auch auf emotionaler Ebene mit dem Bildmaterial auseinander setzen.
Es wurde auch großer Wert darauf gelegt, dass die Anzahl der Bilder und deren inhaltliche/didaktische Bedeutung in einem guten Verhältnis zum Text stehen. Die Bilder haben eine passende Größe, sodass eine Analyse möglich ist. Sie können noch zusätzlich über das Feature digihölzel vergrößert werden.

Der Einsatz von Bildmaterial in „Meridiane“ anhand von Beispielen

1. „Ein Bild sagt mehr als tausend Worte“: In der Unterstufe liegt eine große Bedeutung der „bewussten Bildarbeit“ beispielsweise in der Unterstützung der Wortschatzerweiterung. Viele Fachbegriffe bzw. neue Inhalte können so verständlicher erklärt werden und bieten den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit der besseren Verankerung des Gelernten.

 

Abb.1: Bild zur Verdeutlichung eines Fachbegriffs (Meridiane 1, S. 102)

2. „Information“: Bilder dienen als Informationsträger. Mithilfe von Aufgabenstellungen sollen diese Informationen selbständig erfasst, gefestigt und/oder auch hinterfragt werden.

3. „Der Einstieg“: Bilder können als Einstieg in eine Thematik herangezogen werden. Dadurch werden einerseits das Vorwissen der Schüler/innen, andererseits auch deren Vorstellungen zu dieser Thematik aktiviert.

4. „Topographische Kenntnisse“: In Zusammenhang mit Bildern können die topographischen Kenntnisse der Schüler/innen erweitert und gefestigt werden. Dies kann durch die Angabe des Ortes beim Bild passieren, also passiv, oder durch eine passende Aufgabenstellung, in der die Verortung gefordert wird, beispielsweise in Zusammenhang mit dem Eintragen dieses Ortes in eine Karte.

Abb. 2: Bildarbeit mit Verortungsaufgabe (Meridiane 1, S. 118)

5. „Der kritische Blick“: Bereits in der Unterstufe ist es von großer Bedeutung den Schülerinnen und Schülern den kritischen Umgang mit Bildmaterial bewusst zu machen. Sie sind tagtäglich mit einer scheinbar unendlichen Anzahl an Bildern konfrontiert, deren manipulativer Einsatz kaum abgeschätzt werden kann.

6. „Motivation und Neugierde“: Bilder sollen dazu dienen, die Motivation und Neugierde der Schüler/innen zu wecken.

Abb. 3: Bilder zum Wecken der Neugier auf den Text (Meridiane 1, S. 113)

7. „Emotionen und Kommunikation“: Mithilfe der Bilder sollen Emotionen der Schüler/innen angesprochen werden. Bilder sollen auch eine Anregung zur Kommunikation sein. Gut eingesetztes Bildmaterial in Kombination mit passenden Aufgabenstellungen kann diese Kompetenz im Unterricht fördern.

8.  „Der Blick in Richtung Oberstufe“: Die Bilder unterstützen die Medienerziehung bzw. Medienkompetenz. Die Schüler/innen sollen erkennen, dass das Produzieren, die Verwendung und die Auswertung von Bildmaterial einen ebenso hohen Stellenwert haben wie die Arbeit am Text. Diese Erkenntnis soll in Vorbereitung auf die Oberstufe und in Richtung wissenschaftliches Arbeiten aufbauend erarbeitet werden. Die Verwendung von Bildmaterial wird bei Maturaaufgaben in GWK erwartet, weshalb der Umgang mit diesem Medium nicht früh genug geübt werden kannt.

9.  „Weitere Überlegungen“: Bilder sollen auch Anlass für weitere Überlegungen bieten bzw. für das Bilden von Fragestellungen, die sich aus dem Inhalt des Bildes ergeben.

10. „Beobachten, Beschreiben und Bewerten“: Schüler/innen sollen in diesen Kompetenzen mithilfe des Einsatzes von Bildmaterial und dazu passender Aufgabenstellungen unterstützt werden.

Abb. 4: Bilder für Zuordnungsaufgaben (s. Aufgabe 11) (Meridiane 1, S. 77)

11. „Zusammenhänge erkennen“: Diverses Bildmaterial kann mithilfe passender Aufgabenstellungen in Zusammenhang gebracht werden und so das Verständnis für den Umgang dieser unterschiedlichen Medien erleichtern.

Abb. 5: Zusammenhänge zwischen Bild und Satellitenbild erkennen (Meridiane 1, S. 23)

Bildmaterial im Lehrplan gefordert

Dieser Ansatz im Umgang mit Bildmaterial wird auch dem Lehrplan gerecht. Im Lehrplan der Unterstufe sind unter anderem der „Erwerb von Sprachkompetenz durch Auswertung von Texten, Bildern und grafischen Darstellungsformen, die Einbeziehung aktueller Massenmedien sowie die Entwicklung einer Diskussionskultur“ gefordert. Der Lehrplan fordert weiters: „Viele Lerninhalte sind einer unmittelbaren Begegnung jedoch nicht zugänglich. Deshalb ist Geographie und Wirtschaftskunde auf die Verwendung unterschiedlicher Medien angewiesen. Sie ermöglichen die wiederholte Auseinandersetzung mit Lerninhalten und dienen der Objektivierung und Zuordnung der Einzelbeobachtung.“ „Meridiane Unterstufe“ wird diesem Anspruch gerecht, wobei angemerkt werden muss, dass jede Bildauswahl auf der Basis subjektiver Kriterien erfolgt. In Zusammenhang mit dem Umgang mit Bildmaterial kommt den Schulbüchern dadurch eine bedeutende Rolle zu. (Lehrplan „Geographie und Wirtschaftskunde“, 2004)

Fazit

Mithilfe der Beispiele aus „Meridiane Unterstufe“ sollte der große Stellenwert des Bildmaterials in GW-Schulbüchern und Möglichkeiten des Einsatzes aufgezeigt werden. Demnach sollte klar hervorgehen, dass in der Auswahl der Bilder und dem „richtigen“ Einsatz eine große Verantwortung liegt. Mit „Meridiane Unterstufe“ bekommen die Schüler/innen ein GW-Schulbuch, das diese Anforderungen bestens erfüllt.

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