Hölzel-Journal

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Erstbesteigungen auf Feuerland

9. Dezember 2014

Von: Rainhard Fuchs

Der Verlag Hölzel unterstützte „Project Fireland“, eine Expedition dreier junger österreichischer Bergsteiger an die Südspitze Südamerikas, um einige der letzten unbestiegenen Gipfel dieser Erde zu bezwingen. Dabei wurde auch ein Bergsattel nach Hölzel benannt. Hier finden Sie einen ersten Expeditionsbericht von Rainhard Fuchs zu diesem Abenteuer, das um den Jahreswechsel 2013/14 stattfand.

Project Fireland – Erstbesteigungen am Ende der Welt

„Project Fireland“ hieß eine österreichische Expedition nach Feuerland, welche die Peninsula Buckland erforschte und Erstbesteigungen ebendort durchführte. Sie bestand aus Rainhard und Leopold Fuchs und Philip Schreiner.
Im Süden von Punta Arenas, der südlichsten größeren Stadt auf unserem Planeten, liegt die Peninsula Buckland, eine Halbinsel inmitten der wilden Landschaft Feuerlands. Diese Halbinsel trägt ihren Namen durch den Monte Buckland, einem beeindruckenden, eisbedeckten Berg im Osten der Halbinsel, welcher nur durch den ikonischen Monte Sarmiento im Süden überragt wird. Nördlich der Halbinsel befindet sich die Isla Dawson, auch heute noch ein Stützpunkt des chilenischen Militärs. Nach Osten durch eine Landbrücke mit dem Rest Feuerlands verbunden, erstreckt sich die Peninsula Buckland, welche ca. 30km lang und ca. 12km maximal breit ist, bis zur Magellanstraße, welche durch ihre berüchtigte See vor allem Seefahrern in früheren Generationen so manchen Schrecken eingejagt hat.

Abb. 1: Ausschnitt Feuerland aus dem Großen Kozenn-Atlas, S. 135 (Ed. Hölzel) mit Einzeichnung des neu benannten Portezuelo de Hoelzel (Hölzel-Sattel) auf dem schmalen Finger der Halbinsel Buckland

Die Halbinsel war bis zu dieser Expedition weder bergsteigerisch noch topografisch erforscht. Es war bekannt, dass Fischer, welche in diesen Breiten verkehren, teilweise Netze an den Stränden auslegen, doch menschliche Vorstöße in das Landesinnere sind nicht überliefert und dieses Faktum wurde auch vom Forschungsprojekt Uncharted bestätigt. Bei diesem untersuchen Bergsteiger die Geschichte nach Expeditionen und Erforschungen in der Region Feuerlands und haben per mühevoller Kleinarbeit unzählige Bücher und Dokumente, aber auch das Internet nach Überlieferungen durchsucht. Die gesamten Erkenntnisse der Expedition Project Fireland sowie GPS-Daten und Fotos werden Uncharted kostenlos überlassen.
Während der Expedition konnten die Teilnehmer das berüchtigte Wetter Feuerlands kennenlernen. Obwohl es Hochsommer auf der Südhalbkugel war, regnete und stürmte es unerlässlich und die Sonnenstunden waren rar gesät. Der Grund dafür ist die Ausgesetztheit Feuerlands am südlichsten Spitz Südamerikas, welcher fast schutzlos den Einflüssen der umliegenden Ozeane ausgesetzt ist. Verschärfend kommt noch hinzu, dass unmittelbar im Westen der Halbinsel die Magellanstraße wie ein Triangel angeordnet ist, welches von Meeresströmungen des Pazifiks, des Atlantiks und von der Antarktis gespeist wird. Dieses Aufeinandertreffen sorgt für konstante Wolken- und Regenbildung innerhalb der Region. Die Wetterfronten ziehen in praktisch allen Fällen zuerst Richtung Osten und damit gen Peninsula Buckland.
Landschaftlich begeisterte die Halbinsel die Alpinisten vollends: von riesigen, weitläufigen Gletschern bis hin zu spitzen Gipfelzacken war auf wenigen Quadratkilometern alles vereint, was das Bergsteigerherz höher schlagen lässt. Nicht umsonst wird diese Halbinsel in Bergsteigerkreisen auch als die Dolomiten Feuerlands bezeichnet. Als problematisch stellte sich neben der Eis- auch die Felsqualität heraus. Diese Faktoren, gepaart mit den fehlenden Informationen bezüglich Routen, Landschaftsaufbau, Gletscherspalten und ungenauen GPS-Karten, machte für das Bergsteigerteam aber den Reiz der Entdeckung aus.

In den knapp vier Wochen konnte das Team insgesamt fünf Gipfel erstbesteigen:

  • Cerro Jetaqána Taf: „Pfeilspitze“ in der lokalen Sprache Kaweshkar, ca. 843 m, steiler, pyramidenartiger Felsgipfel, welcher mittels dem Portezuelo de Hoelzel (Hölzel-Sattel, ca. 764m) mit dem Cerro Nous verbunden ist. 
  • Cerro Nous: „Nase“ in der lokalen Sprache Kaweshkar, ca. 857 m, technisch schwierigste Kletterei, Gipfel hat Ähnlichkeit mit einer Hakennase, daher der Name; Abstieg ebenfalls wieder über den Portezuelo de Hoelzel, welcher mit einer beeindruckenden Aussicht auf zwei Täler aufwarten konnte und der Schlüssel zu beiden Gipfelerfolgen war.


Abb. 2: Der Hölzel-Sattel mit den beiden angrenzenden Gipfeln, die im Rahmen der Expedition erstbestiegen wurden. (Foto: Leopold Fuchs)

  • Monte Outland: benannt nach dem von Leopold Schreiner gedrehten Expeditionsfilm, ca. 1087 m, erster Gipfelerfolg, eine der höchsten Erhebungen der Halbinsel und nur über den massiven Gletscher erreichbar. Technisch unschwierig, aber gefährlich bei schlechten Bedingungen aufgrund von Orientierungslosigkeit.

  • Cerro Cristal: bergkristallähnliche Form, ca. 1166 m, höchste Erhebung der Halbinsel, formschöner Gipfel mit ausgesetzter Gratkletterei von Norden und generell nur über das Gletscherplateau erreichbar.

Abb. 3: Rainhard Fuchs auf dem Cerro Cristal mit (nachträglich einmontiertem) Hölzel-Wimpel. Im Hintergrund der Monte Outland und die Magellanstraße. (Foto: Philip Schreiner)

  • Cerro Tres Botas: „Die drei Gummistiefel“, ca. 699 m, mit Gummistiefel bezwungener Bergrücken aus drei Erhebungen, daher (in Verbindung mit der    Personenanzahl des Teams) so benannt, „Hausberg“ des Basecamps.

Die Eintragung der Namen basiert auf dem Prinzip des Erstbesteigens – die Personen, die sich als erste ernsthaft an einer Route versuchen, dürfen diese benennen, auch wenn der Berg vielleicht nicht erfolgreich bestiegen wurde. Mittels des Projekts Uncharted werden die Namen an das Instituto Geográfico Militar in Santiago de Chile weitergeleitet, welches für die Kartografierung in Chile zuständig ist. Dort werden die Namen dann nach Prüfung in das offizielle Verzeichnis eingetragen, aber in manchen Fällen auch abgelehnt. Die Anbindung an das Forschungsprojekt Uncharted erhöhen die Chancen von Project Fireland auf eine korrekte Eintragung der Namen aber um ein Vielfaches.

Abb. 4: Die Routen der Erstbesteiger auf der Halbinsel Buckland (Satellitenbild: NASA)

Das Project-Fireland-Team bedankt sich bei all seinen Sponsoren, vor allem bei dem Verlag Ed. Hölzel, welcher uns von Anfang an vertraut und unterstützt hat. Ohne derartige Sponsoren wäre das Unterfangen nicht realisierbar gewesen und dieses Stück Erde würde noch immer unerforscht sein.

Weitere Informationen:

www.projectfireland.com
https://www.facebook.com/ProjectPatagonia1314
http://uncharted.expenews.com/de/expeditions

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