Hölzel-Journal

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Kartenarbeit in Geschichte

13. Januar 2015

Von: Lukas Birsak

Es ist nicht mehr selbstverständlich, dass eine Schule neben dem geographischen Atlas auch einen Geschichtsatlas bestellt. Mit den Hölzel-Atlanten, die Geographie und Geschichte in einem Atlas vereinen, gibt es aber heute kostengünstige Alternativen. Im Folgenden werden einige grundsätzliche Überlegungen zur Arbeit mit Geschichtskarten vorgestellt.

Arbeit mit Geschichtskarten

Kartographische Kompetenz ist nicht intuitiv vorhanden, sondern muss schrittweise erarbeitet werden. Im Bewusstsein der Öffentlichkeit und der meisten Lehrkräfte wird diese Aufgabe vor allem dem Geographieunterricht zugeordnet. Die Auswertung von Geschichtskarten erfordert aber durch die Zeitdimension eigene Auswerteschritte, die in Geographie meist nicht geübt werden. Der Geschichtelehrplan enthält keine explizite Aufforderung, hier ergänzend zu arbeiten. Daher unterbleibt oft die gezielte Kartenarbeit mit Geschichtskarten.

Geschichtskarte versus historische Karte

Zu Beginn müssen die Begriffe Geschichtskarte und historische Karte klar getrennt werden. Eine Geschichtskarte ist eine Karte, in der auf eine vergangene Periode mit dem Wissen der Gegenwart zurückgeblickt wird. Auch eine Geschichtskarte kann alt werden, ja auch veralten. Moderne Geschichtskarten folgen meist den Regeln der heutigen Kartographie.

Abb. 1: Geschichtskarte zu Österreich im Jahr 1934 (Hölzel-Universalatlas)

Eine historische Karte ist eine Karte aus früherer Zeit, die einen damals aktuellen Sachverhalt darstellt. Historische Karten vor dem 19. Jhdt. sind oft handgezeichnet, nicht maßstabstreu, schrägrisslich, grafisch ausgeschmückt usw. ("Hic sunt leones", "Weiße Flecken", "Horror vacui" ...).

Abb. 2: Karte Salzburgs von Marcus Secznagel um 1580

Geschichtskarten-Arbeit im Lehrplan

Kartenarbeit kommt in den Lehrstoffangaben der Geschichte-Lehrpläne kaum vor. Am ehesten findet man die Aufforderung dazu in allgemeiner Form in den Bildungs- und Lehraufgaben oder Kompetenzbereichen. Ein Beispiel ist der Lehrplan der AHS-Oberstufe:

Bildungs- und Lehraufgabe:
Methodenkompetenz (Fähigkeit der Anwendung analytischer Instrumente und Verfahren; Recherche aus unterschiedlichen Quellen usw.)
Beiträge zu den Bildungsbereichen - Sprache und Kommunikation:
Förderung kritischer Reflexion durch Auseinandersetzung mit und Interpretation von Quellen (Texte, Bilder, Diagramme, Statistiken und Karten ua.) unter Einbeziehung der modernen Medien
Bei den didaktischen Grundsätzen: „Für den Erwerb der notwendigen methodisch-instrumentellen Fähigkeiten und Fertigkeiten durch die Schülerinnen und Schüler haben die Lehrkräfte unter Einbeziehung der Informations- und Kommunikationstechnologien entsprechende Lernmöglichkeiten und geeignete Methoden anzubieten.“

Leider werden diese allgemeinen Teile häufig nicht gelesen. Denn sie enthalten gerade Hinweise, welche Methoden eigentlich ständig im Unterricht eingesetzt werden sollen. Dann wird aber die Karte als eigenständiges Informationsmedium einerseits (= Geschichtskarte) und als historische Quelle andererseits (= historische Karte) besonders wichtig.

Auch im Fachleitfaden für die Neue Matura in Geschichte (Die kompetenzorientierte Reifeprüfung Geschichte und Sozialkunde, Politische Bildung. Richtlinien und Beispiele für Themenpool und Prüfungsaufgaben. BMBF, 2011) wird Kartenarbeit im Baukasten 2 in zweifacher Weise erwähnt:

Nr. 2: Darstellungen analysieren und in gesellschaftlichen/politischen/sozialen/ wirtschaftlichen Zusammenhang setzen
Nr. 17: Karten als historische und politische Quellen interpretieren

Auch hier ist die zweifache Rolle von Karten als Informationsmittel (Nr. 2) und als Quelle (Nr. 17) zu erkennen.

Auswerteschritte mit Geschichtskarten

1. Statische Auswertung mit den geographischen Auswertemethoden:

Natürlich kann man auch an Geschichtskarten die gleichen Fragen wie an geographische Karten richten: Wo war/ist etwas? Was gab/gibt es dort? Wie war/ist ein Phänomen verteilt? usw.

Die entsprechenden Karten erfassen meistens einen Zeitstand und wirken optisch wie eine geographische Karte.

Beispiel: Staatsformen um 1937 (Hölzel-Universalatlas)

Hier könnte man z.B. fragen:

Wo gab es welche Staatsformen?

Welcher Staat war 1937 zweigeteilt?

Wie waren die Monarchien verteilt?

usw.

2. Zeit in Ebenen

Ein besonderes Merkmal vieler Geschichtskarten ist, dass in einer Darstellung verschiedene Zeitstände gezeigt werden. Die Symbolisierung erfolgt durch Textzusätze (Jahreszahlen, Zeitangaben usw.), durch farbliche oder Formvariation eines Kartenzeichens (unterschiedliche Farben für unterschiedliche Zeitstände, unterschiedliche Symbole für verschiedene Epochen usw.) oder durch Bewegungssymbole wie Pfeile. Die Auswertung wird dadurch erschwert, dass das Auge das Nebeneinander dieser verschiedenen Zeitebenen in ein zeitliches Nacheinander ordnen muss. Dabei kann ein Herauszeichnen einzelner Zeitstände auf eine oder mehrere stumme Karten hilfreich sein (stumme Karten findet man z.B. unter http://stummekarten.hoelzel.at).

Beispiel: Zweiter Weltkrieg in Europa (Ausschnitt aus Hölzel-Universalatlas)

3. Kartenfolge verschiedener Zeitstände:

Bei dieser Darstellungsart werden die Zeitstände von vorherein zerlegt angeboten. Abläufe können quasi filmisch gezeigt werden, allerdings ist für den Hersteller der Platzbedarf größer und für den Lesenden möglicherweise die visuelle Überlappung der verschiedenen Karten schwieriger.

Natürlich bietet es sich bei solchen Karten besonders an, diese zusätzlich im digitalen Medium gleich als Animation zu zeigen. Diese Möglichkeiten werden bei den E-Books von DigiHölzel vermehrt genutzt. Dabei erhalten Schulen, die ein Hölzel-Buch oder einen Atlas eingeführt haben, einen Kode mit dem Zugang zu den digitalen Versionen. In diesen gibt es dann ab dem Schuljahr 2015/16 zusätzliche Funktionen wie z.B. die Animation.

Allerdings zeigt sich in der Praxis, dass daneben die gedruckte Kartenfolge, bei der man sich auf einen einzelnen Zeitstand konzentrieren kann, notwendig ist. In der Animation ist das Auge schnell von der ständigen Veränderung überfordert, wenn nicht vorher anhand der Standbilder schon eine Vorbereitung erfolgt, was einen erwartet und worauf man in der Bewegung besonders achten soll.

Beispiel: Staaten Europas von 1914 bis 1957 (Hölzel-Universalatlas)

Methodenbeispiele für Geschichtskarten

Es gibt zwar verstreut in Zeitschriften, Schulbüchern und Internetseiten zum Geschichteunterricht immer wieder gute Beispiele zur Auswertung von Geschichtskarten. Diese beziehen sich aber meist nicht auf Atlaskarten. Auf die Hölzel-Atlanten bezogen entsteht seit einiger Zeit unter dem Titel „Atlasarbeit kompetent“ ein Angebot an Beispielen mit allen zugehörigen Materialien zum Download (am einfachsten erreichbar unter www.geothek.at). Seit kurzem gibt es dort auch erste Beispiele mit Geschichtskarten. Dieses Angebot wird laufend ausgebaut.

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