Hölzel-Journal

Wirtschaftskundliches Seminar

WIRTSCHAFTSKUNDLICHES SEMINAR - Folge 3: Produktionsfaktoren Boden und Arbeit

1. Juni 2008

Von: Wilhelm Malcik und Reinhard Schachermeier

Das WIRTSCHAFTSKUNDLICHE SEMINAR ist eine „Fortsetzungsgeschichte“ zur Vertiefung wirtschaftswissenschaftlicher und wirtschaftspädagogischer Kenntnisse. Jedes neue HÖLZEL-GEOJOURNAL setzt das Seminar in kleinen Einheiten als Download fort und folgt damit in überarbeiteter Form dem Handbuch zur Wirtschaftskunde in vier Bänden, wie es von 1990 bis 2001 bei Ed. Hölzel in mehreren Auflagen erschienen ist.

2.5 Produktivität

Bei der Produktivität findet immer ein Vergleich zwischen dem Input (Einsatz eines Produktionsfaktors) und dem Output (erstellte Leistung) statt.

Produktivität ist das Verhältnis des Produktionsergebnisses zum Einsatz an Produktionsfaktoren, wobei beides entweder mengen- oder wertmäßig betrachtet werden kann.

Mit technischer Produktivität meint man die Gegenüberstellung von mengenmäßigen Größen. Meist wird die Produktivität in Teilbereichen gemessen, z.B. in Kilogramm Ernteertrag je Hektar Boden im Jahr, in Meter Baumwollstoff je Maschinenlaufstunde.

Eine besondere Form ist die Arbeitsproduktivität. Auf der Input-Seite wird die Anzahl der Beschäftigten oder die Anzahl der geleisteten Arbeitsstunden angegeben, z.B. x Stück Spielzeugautos pro Arbeitsstunde oder y Euro Umsatz pro Beschäftigtem.
 
Die Kapitalproduktivität (ökonomische Produktivität) wird in Geld gemessen. Für umfangreichere Vergleiche (z.B. ganze Betriebe oder Wirtschaftsbereiche) sind die an sich leichter handhabbaren technischen Größen nicht mehr ausreichend, weil sich der Einsatz der Produktionsfaktoren und das Produktionsergebnis aus unterschiedlichen Größen zusammensetzen. Die Einsatzmengen der Produktionsfaktoren werden mit Preisen bewertet. Für einen Vergleich über längere Zeiträume werden die Veränderungen des Geldwertes mittels Indizes eliminiert.

Ein Index (Mz. Indizes) dient dazu, eine Reihe von absoluten Zahlen besser vergleichbar zu machen. Ein beliebiger Wert (meist der erste) wird dabei 100 gleichgesetzt. Die weiteren Indexwerte verdeutlichen die prozentuelle Zu- oder Abnahme gegenüber dem Basiswert. Ein Indexwert über 100 signalisiert eine Zunahme, ein solcher unter 100 eine Abnahme.

Die Indexwerte sind Prozentwerte und geben das Verhältnis vom aktuellen Wert zum Basiswert an. Die Änderung zum Vorjahr kann nicht durch die Differenz der Indexwerte ausgedrückt werden. In folgender Tabelle  nahm die Schülerzahl von 2006 auf 2007 nicht etwa um 15% ab, sondern um 13,64 %. Man kann aber sagen, dass die Verminderung 15 Prozentpunkte beträgt. Der Index ist natürlich davon abhängig, welche Zahl als Basis genommen wird. Würde man 2006 als Basisjahr verwenden, dann wäre der Index nur 86,36. 

      Jahr            Schülerzahl    Index     Rechenbeispiel 
    2004/05       600 100,00
    2005/06       645 107,50   645 x 100 : 600
    2006/07       660 110,00
    2007/08       570   95,50   570 x 100 : 600

3. Produktionsfaktoren

Beim Erstellen einer betrieblichen Leistung spielen mehrere Faktoren zusammen.

Produktionsfaktoren sind elementare Voraussetzungen, die in einer Wirtschaft vorhanden sein müssen, damit Güter und Dienstleistungen zur Bedürfnisbefriedigung hergestellt (bereitgestellt) werden können.

Nach herkömmlicher volkswirtschaftlicher Auffassung unterscheidet man drei Produktionsfaktoren: Grund und Boden, Arbeit, Kapital.

Mit „Boden“ ist ein Teil der Erdoberfläche gemeint, während mit „Grund“ ein Stück Boden gemeint ist, das jemandem gehört. Zur Vereinfachung sprechen wir in der Folge nur noch von „Boden“.

Boden und Arbeit werden als originäre (ursprüngliche) Produktionsfaktoren bezeichnet, weil sie von Anfang an als natürliche Bedingungen auf der Erde vorhanden waren. Kapital wird als derivativer (abgeleiteter) Produktionsfaktor aufgefasst, weil er aus dem Zusammenwirken von Boden und Arbeit hervorgeht.

Bald erkannte man, dass die drei Produktionsfaktoren nur durch das planende und organisierende Einwirken menschlichen Wissens zur Wirkung gebracht und weiterentwickelt werden können. Man nahm daher das menschliche Wissen (Humankapital) oder den technischen Fortschritt als vierten Produktionsfaktor in die Betrachtung auf.

3.1 Grund und Boden

Der Begriff „Boden“ ist nicht allein eingeschränkt auf einen Anteil an der Erdoberfläche, sondern umfasst auch Bodenschätze, Gewässer, Vegetation und Klima (Wind, Regen, Wärme). Die Merkmale sind:

Boden ist nicht vermehrbar: Die verfügbare, nutzbare Fläche kann nicht oder nur in untergeordnetem Ausmaß vergrößert werden (z.B. durch Eindeichung, Aufschüttung, Wüstenbewässerung).

Boden ist unbeweglich: Seine Lage kann nicht verändert werden. Daher kann kein räumlicher Ausgleich zwischen verschiedenen Gebieten stattfinden. Man kann den Boden nicht dorthin transportieren, wo man ihn (dringend) benötigt. Daher gibt es enorme Unterschiede in den Bodenpreisen.

Boden ist weitgehend unzerstörbar: Die Bodenfläche bleibt erhalten. Allerdings kann sich die Nutzbarkeit ändern, wie z.B. durch Abbau einer Schottergrube, durch Erosion oder durch Verkarstung bei landwirtschaftlich genutzten Flächen.

Boden wird in dreifacher Funktion verwendet:

1. Zum Anbau in der Land- und Forstwirtschaft oder zur Nutzung der Gewässer durch Fischerei. Die landwirtschaftlichen Flächen sind weitgehend kultiviert, teilweise durch Überdüngung oder maschinellen Einsatz überbeansprucht (siehe später Abschnitt 3.7: Ertragsgesetz). Dagegen fehlt bei den Meeren die Kultivierung fast völlig; sie werden nach Art der Sammler und Jäger vom Menschen nur ausgebeutet.

2. Zum Abbau in der Rohstoffgewinnung.

3. Als Standort für Betriebe, für kollektive (Verkehrs- und Erholungsflächen) oder für private Einrichtungen (Wohnhäuser). Die für die Wahl des Standortes maßgebenden Überlegungen sind in der Volkswirtschaftslehre Gegenstand verschiedener Theorien, die später abgehandelt werden.

3.2 Arbeit

Von Arbeit spricht man im wirtschaftlichen Sinn nur dann, wenn damit unmittelbar ein Einkommen angestrebt wird; z.B. zählt die Arbeit eines Hobbytischlers nicht zum Produktionsfaktor Arbeit.

Die Unterscheidung nach selbständiger (Unternehmer, freie Berufe) und unselbständiger (Arbeiter, Angestellte, Lehrlinge) Arbeit richtet sich nach der Stellung im Beruf und nach der Weisungsgebundenheit. Überschneidungen ergeben sich z.B. bei leitenden Angestellten (etwa bei einem Geschäftsführer), deren Arbeit durchaus Merkmale der Selbständigkeit aufweist.

Die Einteilung nach geistiger oder körperlicher Arbeit ist insofern problematisch, als keine der beiden in reiner Form vorkommt. Der Straßenkehrer muss auch seine Arbeit einteilen, der Generaldirektor muss auch selbständig Notizen machen und das Diktiergerät bedienen. Zudem sollte aus dieser Trennung keine Wertung abgeleitet werden.

Die Differenzierung nach ausführender, leitender (dispositiver) oder schöpferischer Arbeit richtet sich nach der Stellung im Arbeitsverfahren. Die leitende Arbeit besteht in der Betriebsführung und den daraus abgeleiteten Funktionen, wie Planung, Organisation und Kontrolle.

Die Kennzahl Arbeitslosenrate (oder Arbeitslosenquote) drückt nach der österreichischen Berechnung das prozentuelle Verhältnis von Arbeitslosen zur Gesamtzahl der potentiellen Arbeitnehmer aus; Beschäftigte und Arbeitslose ergeben zusammen 100%.

Aus der Gegenüberstellung von Arbeitslosen zu offenen Stellen ergibt sich die Kennzahl Stellenandrang. Wenn sich z.B. 3 000 Universitätsabgänger um 500 Stellen bewerben, ergibt das eine Stellenandrangsrate von 6.

Besondere Arten von Arbeitslosigkeit:

Friktionelle Arbeitslosigkeit entsteht durch Betriebsauflösungen (z.B. durch Konkurse) oder beim Arbeitsplatzwechsel (Fluktuation) und ist ein Grund dafür, dass ein Beschäftigungsgrad von 100% praktisch nicht erreichbar ist.
 
Technologische Arbeitslosigkeit entsteht bei Automatisierung oder Rationalisierung, wenn menschliche Arbeitskraft verstärkt durch Maschinen ersetzt wird.

Saisonale Arbeitslosigkeit beruht auf jahreszeitlichen Voraussetzungen in bestimmten Branchen (z.B. Bauwesen, Tourismusbetriebe wie Hotels, Skilift, Sommerbäder u. dgl.).

Strukturelle Arbeitslosigkeit entsteht durch Veränderungen der Nachfrage (auch im Export) oder durch Verlagerung von (vor allem arbeitsintensiven) Produktionsvorgängen in Niedriglohnländer, gegebenenfalls auch durch Zuwanderung, wodurch das Angebot an Arbeitskräften plötzlich ansteigt.

Konjunkturelle Arbeitslosigkeit beruht nicht auf deutlich erkennbaren Einzelursachen, sondern auf Schwankungen der Gesamtwirtschaft.

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