Hölzel-Journal

Aktuelles Thema

Die Steuerreform 2009

4. Juni 2009

Von: Wilhelm Malcik

Es betrifft uns alle - lange angekündigt, in der vorhergehenden Regierung heftig umstritten, seit April teilweise rückwirkend ab 1. 1. 2009 in Kraft: Die Steuerreform 2009. Wir fassen die wichtigsten Punkte der Reform zusammen und stellen Ihnen eine Seite aus einem neuen, bereits approbierten Wirtschaftslehrbuch von Ed.Hölzel als Download zur Verfügung. Diese Seite kann als Kopiervorlage zum Thema „Steuern & Budget“ in verschiedenen Schultypen und Schulstufen eingesetzt werden.

Die Steuerreform 2009

Ziel der Steuerreform war eine Tarifsenkung zur Einkommensstärkung besonders für Familien und Investitionsanreize für Unternehmen.

1. Lohn- und Einkommensteuertarif (ESt und LSt)

Steuerpflichtige Einkommen sind jetzt bis 11.000 € pro Jahr steuerfrei (bisher bis 10.000 €). Bei Geltendmachung von Absetz- und Freibeträgen kann daher das Bruttoeinkommen wesentlich höher als 11.000 € sein.

Zur Erinnerung: Absetzbeträge reduzieren die errechnete Steuer. Freibeträge vermindern die Steuerbemessungsgrundlage.

Die Lohn- und Einkommensteuer ist eine progressive Steuer. Dabei ist zwischen Steuersätzen und Steuerstufen zu unterscheiden. Die Steuersätze legen fest, mit welchem Prozentsatz die ermittelte Steuerbemessungsgrundlage versteuert wird. Die Steuerstufen legen fest, bis zum welchem Einkommen diese Steuersätze zur Anwendung kommen. Die Höhe der Steuersätze und die Steuerstufen werden durch politische Entscheidungen mit einfacher Mehrheit vom Nationalrat beschlossen.

Die Reform 2009 hat z.T. eine Verringerung der Steuersätze und eine Verbreiterung der Steuerstufen mit sich gebracht. Der so genannte Eingangsteuersatz, also der Steuersatz für die erste Steuerstufe, wurde von bisher 38,33 % auf 36,5 % abgesenkt. Die nächste Stufe wurde für Jahreseinkommen von 25.001 bis zu 60.000 € (bisher bis 50.000 €) um 10.000 € verbreitert. Erst ab 60.000 € kommt der so genannte Spitzensteuersatz von unverändert 50 % zur Anwendung.
Der neue Tarif gilt erstmals bei der Veranlagung für das Kalenderjahr 2009.

2. Familienwirksame Maßnahmen

Rückwirkend ab 1.1.2009 gilt:

a) Der Kinderabsetzbetrag, der mit der Familienbeihilfe ausbezahlt wird, erhöht sich von 50,90 auf 58,40 € pro Monat.

b) Kinderfreibetrag: Pro Kind kann pro Jahr ein Freibetrag von 220 € geltend gemacht werden.

c) Kinderbetreuungskosten: Die Kosten für die Betreuung von Kindern bis 10 Jahre durch qualifizierte Personen sind bis zu 2.300 € im Jahr abzugsfähig.

d) Zuschüsse des Arbeitgebers zu den Kinderbetreuungskosten an seine Arbeitnehmer sind bis zu 500 € pro Jahr steuerfrei.

e) Der Unterhaltsabsetzbetrag steht z. B. Vätern oder Müttern zu, die Alimente bezahlen. Dieser Betrag kann von der Steuerbemessungsgrundlage abgezogen werden und wurde erhöht: von 25,50 Euro auf monatlich 29,20 Euro für das erste Kind von 38,20 Euro auf monatlich 43,80 Euro für das zweite Kind von 50,90 Euro auf monatlich 58,40 Euro für jedes weitere Kind.

3. Investitionsförderung für Selbständige und Unternehmen

a) Natürliche Personen mit betrieblichen Einkünften können statt bisher 10 %  ab 2010  13 % des ermittelten Gewinnes (Einnahmen/Ausgabenrechnung, Bilanz), insgesamt aber nur bis 100.000 € pro Jahr als Gewinnfreibetrag geltend machen. Im Gegensatz zu bisher sind bis zu einem Gewinn von 30.000 € keine Investitionen erforderlich. Damit soll ein Äquivalent zum steuerlich begünstigten 13. und 14. Monatsgehalt der unselbständig Erwerbstätigen geschaffen werden.

Diese neue Gewinnfreibetrag gilb ab dem Steuerjahr 2010 und tritt an die Stelle der bisher möglichen Steuerbegünstigung für nicht entnommene Gewinne.

b) Für die Dauer von 2 Jahren kann die AfA (Abschreibung für Anlagen) auf bewegliche körperliche Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens vorzeitig geltend gemacht werden (vorzeitige Abschreibung reduziert den ermittelten Gewinn und damit die Steuerlast).

4. Weitere Maßnahmen

a) Spenden werden nicht nur wie bisher für Wissenschaft, Forschung, Erwachsenenbildung auf Hochschulniveau, Universitäten, Denkmalschutz, Museen und den Behindertensport, sondern jetzt auch für mildtätige Zwecke, die Bekämpfung von Armut und Not in Entwicklungsländern und Hilfeleistungen in Katastrophenfällen steuerlich abzugsfähig.
Die Obergrenze liegt bei 10 % des Jahres-Bruttobezuges bzw. bei 10 % des Vorjahresgewinns bei Unternehmern.

Eine Liste der anerkannten Organisationen finden Sie unter
www.bmf.gv.at

b) Die Absetzbarkeit des Kirchenbeitrages erhöht sich von maximal 100 auf 200 € im Jahr.

Download: Budget und Steuern (PDF)

(aus: Wirtschaftskunde mit Schriftverkehr für gewerbliche Berufsschulen, erscheint 2010 bei Ed. Hölzel)

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