Hölzel-Journal

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Das Coronavirus verändert die Wirtschaft

19. Mai 2020

Von: Helmut Wagner

Das Corona-Virus und seine Folgen werden uns in den nächsten Jahren wirtschaftlich beschäftigen. Diese Veränderungen sind in allen wirtschaftlichen Fächern zu behandeln.

Pandemie als Auslöser einer globalen Krise

Internationale Verflechtungen von Unternehmen – Stichwort „Globalisierung“ – haben sich in den letzten Jahrzehnten zu wichtigen Schlüsselfaktoren für Wachstum und Entwicklung vieler Länder entwickelt. Trotz großer Distanzen und langer Lieferketten gab es in der Vergangenheit kaum Engpässe.

Der mit dem Coronavirus verbundene Lockdown in vielen Ländern der Welt hat aber diese globalen Wertschöpfungsketten massiv gestört: Unternehmen kappen Lieferketten und verlagern Produktionen, Regierungen schotten ihre Volkswirtschaften voneinander ab und horten lebenswichtige Produkte.

Nach der jüngsten Prognose der Welthandelsorganisation WTO könnte der globale Warenaustausch im laufenden Jahr wegen der Pandemie um bis zu einem Drittel einbrechen. Die mittel- und langfristigen Folgen für die eng vernetzte Weltwirtschaft bleiben noch unklar. Am härtesten trifft der Zusammenbruch der globalen Lieferketten jene Staaten, deren Wirtschaftsleistung besonders stark auf arbeitsintensive Industrien wie Elektronik, Auto und Pharma bauen – also die USA und China.

Relevant ist vor allem der Handel mit der VR China. Denn die Weltwirtschaft war im Jahr 2017 dreimal so abhängig von China wie 2000, gemessen an Handels-, Technologie- und Kapitalströmen. Hubei, die Provinz, in der Wuhan liegt, ist eine wichtige Schaltstelle für viele Unternehmen, vor allem in der pharmazeutischen Industrie, der Autozulieferer- und Halbleiterindustrie.

Der bisherige Verlauf der Pandemie macht deutlich, wie zerbrechlich globale Wertschöpfungsketten in Krisenzeiten sind. Denn damit verbunden ist in der Regel eine Just-in-Time-Produktion. Haben die internationalen Verflechtungen in der Vergangenheit zu vielen positiven Effekten der Globalisierung geführt, so sind sie in Krisenzeiten ein negativer Multiplikator. Denn geringere Produktionskapazitäten, steigende Kosten für Unternehmen und Lieferunsicherheiten bewirken, dass das Vertrauen in den gesamten Markt sinkt. Führende Wirtschaftsforscher schätzen das Ausmaß des Corona-Schocks auf die Weltwirtschaft als mindestens so hoch ein wie bei der weltweiten Finanzkrise 2008.

Gewinner und Verlierer – ein Überblick

Die Einschränkungen des öffentlichen Lebens wirken sich sowohl auf die Angebots- als auch die Nachfrageseite der Wirtschaft aus. Der Lockdown hat die wirtschaftlichen Aktivitäten massiv reduziert. Doch einzelne Branchen sind in unterschiedlichem Ausmaß betroffen.

Besonders hart betroffene Branchen:

  • Unternehmen mit internationalen Produktions- und Lieferketten
    Viele Unternehmen in der verarbeitenden Industrie (Kraftfahrzeuge, Maschinenbau) sind in einen internationalen Produktionsprozess eingebunden. Wichtige Vorprodukte oder Rohstoffe gelangen nicht oder nur verzögert zum Produktionsstandort. Dazu kommen starke Nachfragerückgänge – wenn Menschen keine Autos kaufen oder weniger Treibstoff benötigen.
  • Tourismus
    Aufgrund der weltweit herrschenden Reisewarnung hat sich der Reiseverkehr auf ein Minimum reduziert. Neben Reiseveranstaltern und dem Hotelgewerbe betrifft das auch Luft- und Schifffahrt. Viele Unternehmen sind auch vom Tourismus abhängig – von der Boots- und Radvermietung über Outdoor-Guides bis zu Souvenirläden.
  • Gastronomie
    Mussten Restaurants in der Phase des Lockdowns schließen, so sind sie auch mittelfristig von weitreichenden Hygiene- und Gesundheitsmaßnahmen betroffen. Der entgangene Umsatz kann auch durch Lieferservice nur zu einem geringen Teil wettgemacht werden. Größere Veranstaltungen und Feiern fallen für längere Zeit aus.
  • Kunst, Kultur und Sport
    Die Unmöglichkeit, viele Menschen an einem Ort zu versammeln, betrifft alle Arten von Events. Sportveranstalter, Profisportler sowie freischaffende Kunst- und Kulturschaffende können aufgrund der Schließung der Sportstätten, Theater, Kinos und Konzerthallen keine Umsätze generieren. Die entgangenen Einnahmen lassen sich nicht mehr nachholen.

Die Gewinner der Krise

  • Lebensmittelbranche
    Die verstärkte Nachfrage nach bestimmten Lebensmitteln und Hygieneartikeln hat dem Lebensmitteleinzelhandel deutliche Umsatzzuwächse gebracht. Gerade haltbare und einfache Lebensmittel wurden vor allem in der ersten Phase des Lockdowns stark nachgefragt.
  • Online-Einzelhandel
    Während der Schließung des stationären Einzelhandels profitierten vor allem etablierte Online-Versandhäuser von der Corona-Krise. Vor allem bei Produkten, die vor der Pandemie kaum online bestellt wurden, gab es starke Zuwächse (z. B. bei Lebensmitteln).
  • Drogerien und Apotheken
    Die starke Nachfrage nach Hygiene und Schutzartikeln (z. B. Einweghandschuhe und Schutzmasken) lässt Drogerien und Apotheken von der Corona-Krise profitieren. Im Gegensatz zum übrigen Einzelhandel konnten Geschäfte dieser Branche auch durchgehend geöffnet bleiben.
  • Hersteller von Schutzartikeln und Pharmaunternehmen
    Schutzkleidung, Handschuhe, Masken sowie Desinfektionsmittel werden als Mangelartikel stark nachgefragt. Von Pharmaunternehmen und Forschungseinrichtungen wird intensiv nach Medikamenten zur Behandlung des Virus sowie nach einem Impfstoff geforscht. Offen ist, wer das „Impfstoffrennen“ gewinnt und dadurch einen Image- und Umsatzschub generieren kann.
  • Digitale Unternehmen
    Die physische Präsenz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wurde in vielen Unternehmen durch Home-Office ersetzt. Anbieter von Plattformen für ortsübergreifende Zusammenarbeit (Zoom, Microsoft mit Teams, Google), Cloud-Anbieter und Streaming-Dienste verzeichnen einen starken Kundenzuwachs. Das betrifft nicht nur etablierte Unternehmen, sondern auch Nischenanbieter.

Was ist was? Die wichtigsten Begriffe

Coronavirus: Es handelt sich um den Oberbegriff für eine Familie von Viren, die Menschen oder Tiere befallen. Die Erreger von SARS in den Jahren 2002/2003, MERS und zahlreichen Erkältungsformen zählen ebenfalls dazu.

SARS-CoV-2: Dieser sich aktuell weltweit verbreitende Erreger war bis dato unbekannt und erhielt seinen Namen erst im Februar 2020. Die Abkürzung steht für Severe Acute Respiratory Syndrome-Coronavirus-2.

Covid-19: Zum Glück erkrankt nicht jede Person, die sich mit SARS-CoV.2 ansteckt. Diejenigen, die nach einer Ansteckung mit dem neuen Erreger Symptome zeigen, leiden unter der Atemwegserkrankung Covid-19. Die Bezeichnung leitet sich ab von „Coronavirus-Disease“ und dem Jahr des ersten Auftretens, 2019.

Quelle: https://www.vfa.de/de/wirtschaft-politik/abcgesundheitspolitik/epidemie-schnell-erklaert.html

Glossar:

Just-in-Time-Produktion:

ein zeitlich exakt durchgeplanter und optimierter Produktionsprozess. Die Materialbeschaffung erfolgt kurzfristig und hängt von der jeweiligen Auftragssituation ab. Dadurch können die Lagerbestände reduziert werden.

Lockdown:

eine aus Sicherheitsgründen staatlich verordnete und durchgesetzte Einschränkung des öffentlichen Lebens für eine bestimmt Zeitspanne.

Pandemie:

eine Länder und Kontinente übergreifende Ausbreitung einer Infektionskrankheit.

Quellen

Die Achillesferse der Globalisierung. Matthias Auer in: Die Presse, 29. 04. 2020

Globale Wertschöpfungsketten: Wie das Coronavirus die Wirtschaft beeinflusst. Birgit Meyer in: Der Standard, 11. 03. 2020

Flucht aus der Globalisierung: Das Coronavirus verändert die Volkswirtschaft. Thomas Hanke, Till Hoppe, Torsten Riecke in: Handelsblatt, 15. 04. 2020

https://fincompare.de/gewinner-und-verlierer-der-corona-krise

Konnex zu Schulbüchern (BMHS):

Wissen-Können-Handeln HAK (Geografie 1./2. Jg.):

Globalisierung (S. 26)

Globalisierung und Welthandel: Licht- und Schattenseiten (S. 134 ff.)

Wissen-Können-Handeln HAS (Geografie / Wirtschafts- und Kulturräume 2. Kl.):

Globalisierung und Welthandel: Licht- und Schattenseiten (S. 186 ff.)

Wissen-Können-Handeln HLW (Globalwirtschaft und Wirtschaftsgeografie 5. Jg.):

VR China: Der Motor der Globalisierung (S. 19 ff.)

Globalisierung und Nachhaltigkeit (S.57 ff.)

Wissen-Können-Handeln FW (Volkswirtschaft und Wirtschaftsgeografie 2. Kl.):

Globalisierung und Welthandel: Licht- und Schattenseiten (S. 126 ff.)

Konjunktur und Wirtschaftspolitik (S. 223 ff.)

Wissen-Können-Handeln HAK (Internationale Wirtschafts- und Kulturräume 5.Jg.):

Globale Verflechtungen (S. 20 ff.)

Wissen-Können-Handeln HTL (Geschichte Politische Bildung und Volkswirtschaft 3.Jg.):

Welthandel (S. 84 ff.)

Globale Herausforderungen (S. 121 ff.)

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