Hölzel-Journal

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Zum 200. Geburtstag von Eduard Hölzel (Teil 1)

25. September 2017

Von: Petra Kubíčková

Vor 200 Jahren am 8. Oktober 1817 wurde in Prag unser Verlagsgründer Eduard Hölzel geboren. Olmütz in Mähren und dann Wien waren wichtige Stationen seines Lebens. Anlässlich dieses Jubiläums findet in Olmütz (Olomuc) heuer ab 2. November in der dortigen Wissenschaftliche Bibliothek eine Eduard-Hölzel-Ausstellung statt. Frau Petra Kubíčková, Mitorganisatorin der Ausstellung, hat uns dazu dankenswerterweise eine Biografie der Olmützer Phase dieser für das österreichische Bildungswesen wichtigen Persönlichkeit zur Verfügung gestellt.

Eduard Hölzels Weg bis zur Verlagsgründung in Olmütz

Petra Kubíčková, Wissenschaftliche Bibliothek Olmütz (Vědecká knihovna v Olomouci) (Übersetzung: Jiří Černý)

Olmütz um 1840. Aus dem „Album von Böhmen und Mähren“. Verlag Ed. Hölzel, um 1850

Olmütz gehörte im 19. Jahrhundert zu den größten urbanen Zentren in Mähren. Der Charakter der Stadt wurde neben den politischen und wirtschaftlichen Verhältnissen durch ihre eigenen Bewohner beeinflusst, denn in Olmütz wurde nicht nur eine große Garnison stationiert, sondern es lebten hier auch zahlreiche Geistliche und Studenten und der Beamtenstand wuchs ständig. Andererseits fehlte es in der Stadt an stärkerer Industrie, sie wurde von landwirtschaftlichem Umland umgeben, das Bürgertum bestand überwiegend aus Gewerbetreibenden. Olmütz bildete ein bedeutendes Verwaltungszentrum Mährens. Es war Sitz von Ämtern der Staatsverwaltung, Justiz und Kirchenverwaltung, genauso befanden sich hier auch verschiedene Bezirks- und Kreisämter mit einem Kreishauptmann an der Spitze. Weiters gab es ein Finanz- und Postamt, eine Handels- und Gewerbekammer, ein Kreisgericht, eine Staatsanwaltschaft, ein erzbischöfliches Konsistorium u.a.1

Das politische Leben in der Stadt wurde seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts immer öfter durch nationale Streitigkeiten beeinflusst, welche eng mit der deutschen und tschechischen Politik in Olmütz zusammenhingen und welche den tschechischen politischen Kampf innerhalb Österreichs wiederspiegelten. Die deutsche Mehrheit herrschte über die Stadt bis 1918, aber beide Nationalitäten, sowohl die tschechische als auch die deutsche, ließen zahlreiche politische und kulturelle Organisationen und Vereine entstehen. Die kulturelle Bedeutung von Olmütz ging über die Bezirksgrenzen hinaus, zahlreiche Persönlichkeiten aus dem Bereich der Politik, Wissenschaft, Kultur und Kunst wirkten in der Stadt, es erschienen hier viele Zeitungen und Zeitschriften, in Olmütz befanden sich Niederlassungen von verschiedenen Buchhandlungen, Verlagen und Druckereien.

Olmütz gehörte als die ursprüngliche Metropole von Mähren und als ein Bischofs- und Erzbischofssitz seit immer zu den Kulturzentren der böhmischen Länder. Auch das Aufheben der Universität im Jahre 1860 änderte nichts daran, weshalb sich im Laufe des 19. Jahrhunderts in Olmütz sowohl die polygraphische Industrie als auch der Buchhandel erfolgreich entwickeln konnten.2

Die Buchhandlung von Eduard Hölzel befand sich seit dem Jahre 1844 in der Nordfront des Oberringes, welche als Promenade für die höheren Gesellschaftskreise von Olmütz diente. Der Laden verfügte über verglaste Schaufenster rechts und links vom Eingang. Schon damals, noch bevor erste tschechische Buchhandlungen errichtet wurden, gedieh in dieser Stadt mit reicher Kulturtradition der Verkauf von deutschsprachigen, aber auch tschechischsprachigen Büchern gut und der Kreis von tschechischen oder eher doppelsprachigen Lesern wuchs ständig an. Gefragt wurde sowohl Unterhaltungs- als auch Fachliteratur. Lehrbücher vieler Fachgebiete und auch Belletristik wurden eben in der Sortimentsbuchhandlung Eduard Hölzels angeboten, aus der sich allmählich eine der ersten wirklichen Fachbuchhandlungen in Mähren beziehungsweise in Österreich herausbildete.

Man kann den Namen der Familie Hölzel oder Höltzel bis ins ausgehende 15. und beginnende 16. Jahrhundert zurückverfolgen. Damals habe, wie in der Familie tradiert wurde, ein gewisser Hölzel als Gehilfe bei dem Drucker, Verleger und Erfinder des Buchdrucks J. Gutenberg gearbeitet.3 Petr Voit führt in seinem Nachschlagewerk Encyklopedie knihy einen Hieronymus Höltzel (gest. etwa 1532) an, welcher ein Nürnberger Drucker war, aus Bayern stammte, zum Beispiel für Albrecht Dürer arbeitete und in Kontakt mit dem böhmischen Raum stand.4 Im Stammbaum der Familie Hölzel sollten 37 Maler vorkommen, einige der Familienmitglieder hätten auch den adeligen Beinamen „Hölzel von Holz“, „Hölzel von Stein“ oder „Hölzel von Stock“ getragen.5

Das Malerblut floss auch in den Adern von Eduards Vater Thomas Hölzel, welcher zwar ein Eisenwarenhändler von Beruf war, sich aber viel lieber mit Kunst, Wandern und Sport beschäftigte. Thomas war ein hervorragender Geigenspieler, Zeichner und Maler, welcher seinem Freund und Erfinder der Lithografie Alois Senefelder Zeichnungen und Vorlagen für dessen Steindrucke lieferte.6 Dieser Händler aus Prag kümmerte sich also kaum um die Familienfirma und überlies deren Betreiben seiner Ehefrau Thekla, genauso wie den Prager Haushalt und die Pflege der gemeinsamen Kinder. Nach einem erzwungenem Verkauf der Firma zog Thomas Hölzel zu seinem Sohn Eduard nach Brünn und zuletzt nach Olmütz, wo er auch verstarb.7

Eduard Joseph Hölzel wurde am 8.10.1817 in Prag geboren. Er war der älteste Sohn des oben genannten Johann Thomas Hölzel (1788–1846/ 47) und Margarethe, geboren Herlth (1795–1823), die mit 28 Jahren starb, als der kleine Eduard erst sechs Jahre alt war. Thekla Hölzel, geboren Srbová, zweite Gattin von Thomas Hölzel, die einer reichen Braumeisterfamilie entstammte, zog dann Eduard und weitere 5 eigene Kinder groß.8 Sie brachte allen ihren Nachkommen unterschiedslos das Interesse für Bildung und Kultur bei und ihr Stiefsohn Eduard gedachte ihrer in seinem Erwachsenenalter gern und mit Dank.9 Nach dem Besuch der Volksschule und des Gymnasiums trat der junge Eduard in die Buchhandlung Borrosch & André in Prag ein. Er bekam hier unter der Leitung von erfahrenen Buchhändlern eine gute Ausbildung. Nach dem Abschluss der vierjährigen Lehrzeit fingen für Hölzel die Gesellenjahre an. Er arbeitete während dieser Zeit als Gehilfe in angesehenen Buchhandlungen in Leipzig, Mainz, Augsburg, Würzburg, Wien und Brünn.10

Hölzel entschied, aus seiner letzten Wirkungsstätte Brünn nach Olmütz umzuziehen. Somit begab er sich in eine Stadt, wo er niemanden kannte, von welcher er aber annahm, dass sie trotz bestehender Konkurrenz einen günstigen Ort für das Eröffnen einer neuen Buchhandlung darstellen könnte. Hinsichtlich der beschränkten finanziellen Möglichkeiten von Hölzel hätte es sich um einen mehr als riskanten Schritt handeln können. Eduard sah trotz aller Hindernisse in Olmütz gewisses Potenzial. Einerseits befanden sich hier viel weniger Buchläden als zum Beispiel in Brünn, anderseits war die Stadt immerhin eine wichtige mährische Metropole, wo der Erzbischof und die Universität ihren Sitz hatten. Hölzel war sich überdies der günstigen Lage von Olmütz bewusst. Weil es fast inmitten Mährens lag, bot es eine ideale Möglichkeit, das Geschäft auf ganz Nordmähren auszuweiten. Das sind Gründe, welche Eduard Hölzel auch in seinem Zirkular für das Landesgubernium von 25. September 1844 nannte, wo er außerdem zugab, dass er an das Eröffnen seines eigenen Ladens etwa seit 1831 dachte, also seit seiner Lehrzeit bei Borrosch & André in Prag. Aufgrund seiner Erfahrungen in der Buchhändlerbranche im In- und Ausland, seiner fast neunjährigen Praxis, mit Zusagen einiger seiner Kollegen aus dem Fach, ihm Anleihen zu gewähren, und schließlich mit konkreten Namen seiner Kommissionäre (zum Beispiel Arnoldische Buchhandlung in Leipzig, Jasper in Wien oder Hölzels „heimatliche“ Buchhandlung Borrosch & André in Prag) zauderte er nicht, befriedigende Resultate seines Unternehmens zu versprechen.11 Bereits am 12. September, nachdem er die Summe von 100 Gulden als sog. Inkorporationsgebühr beglichen hatte, erhielt er eine Bewilligung zum Errichten eines Ladens mit Büchern und Kunstgegenständen.12 Die Eröffnung eines Geschäfts mit Büchern, Kunstgegenständen und Musikalien unter dem Firmennamen Eduard Hölzel wurde amtlich mittels eines Erlasses von der Firmengründung von 13. September 1844 kundgemacht. Das Dokument wurde unter anderen mit der Unterschrift des Zeugen Alois Skarnitzel, eines Druckers aus Olmütz, bekräftigt und die Firmenerklärung wurde beim K. k. Merkantil- und Verkehrsgericht in Brünn protokolliert und später auch in die Firmenakte des K. k. Landes- und Handelsgerichtes zu Olmütz eigetragen. Das Olmützer Ladengeschäft sollte ursprünglich für Kunden bereits am 1. Oktober zugänglich sein, praktisch erfolgte die Eröffnung aber erst am 15. Oktober 1844.

Fußnoten:

1) PUŠ, Ivan. Starosta Karl Brandhuber a národní život v Olomouci za jeho úřadu (1896-1918). Příspěvek k tématu vzájemného soužití českého a německého obyvatelstva na Moravě před rokem 1918, S. 43. Olomouc, 2013. Diplomarbeit (Mgr.). UNIVERZITA PALACKÉHO V OLOMOUCI. Filozofická fakulta

2) Nešpor, Václav. Vlastivěda moravská: II.: Místopis Moravy. Nr. 58, Dějiny Olomouce. Brno, 1936, S. 236.

3) HÖLZEL, Adolf; LEMMÉ, Marie. Gedanken und Lehren. Zusammengestellt und mit einer biographischen Einleitung herausgegeben von Marie Lemmé. Stuttgart. Berlin, 1933, S. 7.

4) Voit, Petr. Encyklopedie knihy: starší knihtisk a příbuzné obory mezi polovinou 15. a počátkem 19. století: papír, písmo a písmolijectví, knihtisk a jiné grafické techniky, tiskaři, nakladatelé, knihkupci, ilustrátoři a kartografové, literární typologie, textové a výtvarné prvky knihy, knižní vazba, knižní obchod. 2. Aufl. Praha: Libri in Zusamenarbeit mit Královská kanonie premonstrátů na Strahově, 2008. 2 Bde., S. 369. Bibliotheca Strahoviensis. Series monographica; 2. ISBN 978-80-7277-390-9.

5) HÖLZEL, Adolf, S. 7.

6) HÖLZEL, Adolf, S. 8.

7) Wir erfahren aus der Matrik der römisch-katholischen Pfarre zu St. Michael in Olmütz, welche in der Olmützer Zweigstelle des Landesarchivs Troppau (Zemský archiv v Opavě, pobočka Olomouc, ZAO-Ol) aufbewahrt wird, Einzelheiten über die Trauung von E. Hölzel. Seine Mutter ist in dem Dokument als Margarethe, geboren Herlth, eigetragen. (ZAO-Ol, Matriky, Sign. OV 12 1823–1860, Inv. Nr. 5643, Abb. 147, 26. 2. 1848). Auch der Eintrag in Neue Deutsche Biographie (Kinauer, Rudolf, "Hölzel, Eduard" in: Neue Deutsche Biographie 9 (1972), S. 340-341 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd130833312.html#ndbcontent) sieht die Mutter von E. Hölzel in Margarethe Herlth, die in den Jahren 1795–1823 lebte. Im Achivkatalog des Archivs der Hauptstadt Prag (Archiv hlavního města Prahy, Schriftstück 304, Prager Angehörige, Thomas Hölzel, Karton Nr. 97, Verzeichnis aus dem Jahre 1830) figuriert Thekla als Ehefrau von Thomas Hölzel, von ihr spricht auch B. Vybíral (siehe Romualdovi Prombergrovi k pětasedmdesátce. Olomouc, 1931, S. 141. „Tekla, rozená Srbová …“). Siehe: http://katalog.ahmp.cz/pragapublica/permalink?xid=1F40811123A911E08F90005056C00008&scan=1

Es werden unterschiedliche Lebensdaten von Thomas Hölzel angegeben, im Archivkatalog der Hauptstadt Prag wird angegeben, dass er im Jahre 1846 in Olmütz starb, die Deutsche Biographie gibt als Todesdatum das Jahr 1847 an, laut B. Vybíral sei er in Brünn um das Jahr 1840 verstorben.

8) Bruder Heinrich (geb. 1827) erlernte auch den Buchhändlerberuf, der andere Bruder hieß Ernst (geb. 1830), die Namen der Schwestern waren Marie, Mathilde und Emma. Mathilde wurde Opernsängerin, Emma war zweite Ehefrau von Romuald Promberger d. Ä., zu seiner dritten Gattin wurde nach Emmas Tod deren Schwester Marie, welche den Sohn Romuald Promberger d. J. gebar, der ebenfalls Verleger in Olmütz wurde. Vgl. Romualdovi Prombergrovi k pětasedmdesátce. Olomouc, 1931, S. 139-140.

9) Romualdovi Prombergrovi k pětasedmdesátce. Olomouc, 1931, S. 141.

10) LINDEMANN, H. Eduard Hölzel. Oesterreichisch-ungarische Buchändler-Correspondenz. 1899, Jg. 40, Nr. 47, (22. 11.), S. 552-553. Zugänglich auch unter: http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=obc&datum=18991122&zoom=33

11) ZAO, Krajský soud Ol.I (NAD 1465)- Firemní spisy, Teil II. Ed. Hölzel Buch-Kunst-und Musikaliënhandlung VII 1863-1913/ Ol24 (Hilfsnr. 596, Inv. Nr. 866, Sign. JdV24)

12) ZAO, Krajský soud Ol.I (NAD 1465)- Firemní spisy, Teil II. Ed. Hölzel Buch-Kunst-und Musikaliënhandlung VII 1863-1913/ Ol24 (Hilfsnr. 596, Inv. Nr. 866, Sign. JdV24)

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