1996 | Der Neue Kozenn

Nach einem ersten Durchlauf der neuen Lehrpläne in Geographie und Wirtschaftskunde wurde klar, dass der Schulatlas als räumliches Grundgerüst in einem themenorientierten Unterricht noch wichtiger war und daher besser einer räumlichen Anordnung folgen sollte. Gleichzeitig führten wachsende finanzielle Beschränkungen der Schulbuchaktion dazu, dass die Idee von zwei Stufenatlanten in der AHS-Langform nicht mehr umzusetzen war. Es wurde notwendig, das Atlasangebot weiter aufzugliedern in einen auf die Altersstufe mehr angepassten Atlas für die Sekundarstufe I, einen Atlas hauptsächlich für die berufsbildenden Schultypen der Sekundarstufe II und einen didaktisch „neutralen“ Atlas für die Langformen. Während mit dem „Hölzel-Atlas für die 5. bis 8. Schulstufe“ und dem „Hölzel-Weltatlas“ die ersten beiden Gruppen abgedeckt wurden, bot es sich an, die Tradition des Kozenn, der über ein Jahrhundert der Gymnasialatlas war, wieder aufzunehmen. Neben der Rückbesinnung auf eine regionale Kartenabfolge, beginnend mit Österreich, waren besonders die umfangreiche Karteneinführung und die Weiterentwicklung der Wirtschaftskarten durch eine neuartige Klassifizierung der städtischen Zentren nach ihrer Hauptfunktion innovative Elemente. Zum ersten Mal wurde ein Satellitenbildmosaik von Österreich eingebaut, ebenso Satellitenbilder zu einzelnen österreichischen Landschaften und zu verschiedenen Regionen der Erde. Die Namenschreibung folgte den gerade erschienenen „Vorschlägen zur Schreibung geographischer Namen in österreichischen Schulatlanten“ der österreichischen Arbeitsgemeinschaft für Kartographische Ortsnamenkunde. Bei der Atlaskonzeption waren mit Wilhelm Malcik und Christian Sonnenberg wieder zwei Schulpraktiker neben Lukas Birsak beteiligt. Der Neue Kozenn war die erste Ausgabe, die komplett digital erstellt und im Vierfarbendruck gedruckt wurde. Er erschien auch mit einer 32-seitigen Geschichtebeilage, um den Bedarf an Karten im Geschichteunterricht abzudecken, nachdem eigene Geschichteatlanten aus finanziellen Gründen meist nicht mehr angeschafft werden konnten. Neben dem Neuen Kozenn-Atlas entstand mit dem schon erwähnten bildhafteren Hölzel-Atlas (1995) und später dem Hölzel-Universalatlas für die Oberstufe (2004), dem Kozenn-Schulatlas mit einem reduzierten Kartenangebot (2007) und dem Hölzel-Kombiatlas (2008) eine breitere Palette an verschiedenen österreichischen Schulatlanten aus dem Verlag Ed. Hölzel. 2009 wurde der Neue Kozenn-Atlas mit einer CD ergänzt, die einen digitalen Weltatlas und zusätzlich Fotos, Klimadiagramme, ein Modul zur Herstellung statistischer Erdkarten und einen digitalen Globus enthält.

Klimatypen, 1996Die Abgrenzung von Regionen nach klimatischen Merkmalen ist ein traditionelles Anliegen der Klimageographie, trotz mancher Bedenken, dass klimatische Gegebenheiten sich eher kontinuierlich verändern und keine scharfe Grenzen bilden. Je nach verwendeten Merkmalen und Datenlage gibt es unterschiedliche Gliederungen. Die Hölzel-Atlanten enthielten viele Jahrzehnte eine aus dem „Atlas der Republik Österreich“ abgeleitete Gliederung in vereinfachter Form, wobei die Kriterien aber nicht gut nachvollziehbar waren. Für die Neubearbeitung 1996 entschlossen sich die Kartenbearbeiter zu einer neuen Konzeption in Zusammenarbeit mit der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik in Wien. Es sollten aktuellere Daten verwendet werden, um eventuelle Veränderungen durch den Klimawandel einzubeziehen. Genauere Rechenmodelle der Zentralanstalt ermöglichten dabei detailreichere Abgrenzungen. Die Abgrenzungskriterien sollten für Schülerinnen und Schüler transparent gemacht werden. In der Legende erkennt man die vier gewählten Kriterien Jänner- und Julitemperatur, Niederschlagsmenge und Niederschlagstage, die jeweils in zwei Klassen geteilt wurden. Daraus ergaben sich 16 theoretische Klimatypen, von denen 9 in Österreich tatsächlich vorkommen. Soweit möglich, wurde die Terminologie an die bis dahin gewohnte angepasst, in einigen Fällen mussten aber neue Begriffe entwickelt werden (z.B. Gebirgsrandklima).

Ethnien, 1996Durch das Zusammenwachsen Europas nach der Wende 1989 und durch die Erweiterung der Europäischen Union gewann die Frage ethnischer Minderheiten und des Verhältnisses von Nationalität zu Europäertum wieder an Bedeutung. Es entstand der Bedarf nach einer Behandlung des Themas im Atlas, allerdings sollten dabei überkommene nationalistische Konzepte vermieden werden. Dem Kartenbearbeiter Peter Jordan gelang es, mittels des Konzepts des „ethnischen Bewusstseins“ das Selbst-Bild der Menschen anhand von Volkszählungsergebnissen, aber auch unter Einbeziehung von Einzeluntersuchungen oder Befragungsergebnissen darzustellen. Eine besondere Herausforderung war die grafische Differenzierung der fast 100 darzustellenden Ethnien, die trotzdem auch nach vornehmlich sprachlichen Kriterien in Farbgruppen zusammengefasst werden sollten. Zusätzlich waren noch die Minderheiten den Herkunftsregionen mit Punkten und Linien zuzuordnen. Diese thematische Karte ist sicher für Schülerinnen und Schüler eine große Herausforderung, entspricht aber dem Anspruch des Kozenn, auch für höhere Schulstufen Kartenmaterial anzubieten. (Kartenausschnitt leicht verkleinert)

Zum Anfang der Seite