1989 | Themen statt Länder

1985 wurde in Österreich ein neuer Lehrplan für die Sekundarstufe I im Fach Geographie und Wirtschaftskunde eingeführt, wortident für die AHS-Unterstufe und die Hauptschule. Es kam zum großen Paradigmenwechsel weg von der Länderkunde zu einem thematisch angeordneten Unterricht. In der ersten Klasse lag (und liegt bis heute) der Schwerpunkt auf Leben und Wirtschaften im ländlichen Raum, in der zweiten im städtischen Raum. Die dritte Klasse ist eine Österreich-Klasse, die vierte beschäftigt sich mit Europa und sozialen und wirtschaftlichen Fragen auf Weltebene. Es stellte sich daher die Frage, ob auch ein Schulatlas an diese neue Lehrplanausrichtung anzupassen ist und wenn ja, wie? Man entschied sich im Verlag zu einer Neubearbeitung des „Österreichischen Unterstufenatlas“ und zu einem Konzept, bei dem die Lehrplanthemen durch thematische Atlasblöcke abgebildet wurden. Österreich und Europa blieben zwar als räumliche Einheiten erhalten, aber die Kontinentabfolge und die Erdkarten wurden in sieben Themenkreise „Topographie“, „Landschaft“, „Bevölkerung“, „Verkehr“, „Wirtschaft“, „Umwelt“ und „Soziales“ integriert. Das ermöglichte das Gegenüberstellen vieler interessanter Fallbeispiele und Vergleiche unterschiedlicher räumlicher Strukturen. Allerdings ging dadurch der Nachschlagecharakter des Atlas etwas verloren. Er wurde von einem unterstützenden Medium mehr zu einem eigenständigen Lehrwerk. Nach der Umstellung des Österreichteils 1988 kam es 1989 zur vollständigen Neubearbeitung durch Lukas Birsak. Ein Beraterteam von Lehrern und Universitätsprofessoren unterstützte ihn dabei. Der Oberstufenatlas wurde nicht umgestellt, sondern 1995 durch den Hölzel-Weltatlas abgelöst.

Vergleichende Darstellungen, 1951Ein Beispiel für die vergleichende Darstellung verschiedener räumlicher Ausprägungen eines Themas ist die Darstellung ländlicher Lebens- und Siedlungsformen an 6 Beispielen (Ausschnitt). Das erinnert nicht zufällig an die Ausgabe von 1951 (s. S. 18). Hans Slanar sen. hatte schon damals (und zuvor in seinem ersten Atlas von 1927) viele Ideen vorweggenommen, die in der didaktischen Diskussion der 70er- und 80er-Jahre wieder populär wurden.

Wirtschaftskarte, 1989Auch in der Ausgabe von 1989 wurden die Wirtschaftskarten von Wigand Ritter betreut. Die Karten aller Kontinente wurden zusammengefasst und hintereinander gezeigt. Inhaltlich wurde der in den Vorgängeratlanten beschrittene Weg weg von einer „Inventarkarte“ mit vielen einzelnen Standortinformationen hin zu einer Darstellung von Wirtschaftsstrukturen weitergegangen. Es wurden nur mehr die wirtschaftlich bedeutenden Zentren der Rohstoffgewinnung gezeigt. Einzelne Bergbauprodukte wurden nicht ausgewiesen. Die Bodennutzung wurde stärker nach Betriebsformen und weniger nach vegetationsgeographischen Kriterien zusammengefasst. Besonders wichtig war die neu hinzugekommene Ausweisung und Differenzierung der städtischen Zentren, mit der die Hölzel-Atlanten für viele Jahre eine Pionierrolle einnahmen. Diese Zuordnung konnte nur aufgrund der langjährigen wirtschaftsgeographischen Erfahrung von Wigand Ritter vorgenommen werden, weil in den meisten Fällen „harte“ statistische Daten fehlten. Am Kartenrand ist der erstmalige Einsatz eines Farbleitsystems in Hölzel-Atlanten erkennbar. In der Bearbeitung von 1989 standen die Farben für die unterschiedlichen Themenbereiche.

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