1979 | Der Name Kozenn verschwindet – die Stufenatlanten

1976 wurde eine von Hans Slanar jun. betreute Neubearbeitung des Österreichischen Atlas für höhere Schulen zur Approbation eingereicht. Im selben Jahr starb Hugo Eckelt und Hadmar W. Schandl übernahm die Geschäftsführung. 1977 wurde bekannt, dass im Rahmen der österreichischen Schulbuchaktion in Hinkunft nicht mehr schultypenbezogene Atlanten, sondern Stufenatlanten zu konzipieren seien. Dafür wurden auch relativ detaillierte Themen- und Kartenlisten vorgegeben. Daher mussten in kurzer Zeit statt des bisherigen Gymnasialatlas und der Hauptschulatlanten ein „Österreichischer Unterstufenatlas“ und ein „Österreichischer Oberstufenatlas“ erstellt werden, was bis Herbst 1979 bzw. 1981 geschah. Der Name Kozenn verschwand vom Titelblatt, aber das Kartenmaterial und viele Ideen der Vorgänger lebten besonders im Unterstufenatlas weiter. Der wissenschaftliche Leiter des Verlages, Hans Slanar jun., erstellte das Konzept. Damit war erstmals seit Vinzenz von Haardt die Atlaserstellung wieder in hauseigenen Händen. Den großen Block der wirtschaftsgeographischen Karten betreute Wigand Ritter, Schüler von Walter Strygowski und Universitätsprofessor in Nürnberg. Erstmals gab es für jede Landeshauptstadt ein Luftbild und einen Stadtplan. Interessanterweise war der „Österreichische Unterstufenatlas“ auch der erste Hölzel-Atlas mit einem Namenregister. Bis dahin war das Suchen weniger wichtig als das Namen lernen. Es ist wahrscheinlich kein Zufall, dass bei vielen älteren Atlanten, die in der Schule verwendet wurden, fast jeder Kartenname von den Schülern unterstrichen wurde, um ihn zu memorieren. Der Trend zur Schreibung von landessprachlichen Namenformen verstärkte sich weiter, z.B. fehlten jetzt tlw. überhaupt die deutschen Bezeichnungen wie Triest, Laibach usw. Auch diese Ausgabe wurde international verwendet, 1984 erschien eine Adaptierung für Südtiroler Schulen, die bis heute existiert.

Ausdehnung der Vergletsherung, 1979Die Stufenatlanten von 1979 enthielten noch mehr so genannte „Fallbeispiele“ als die Vorgänger. Das entsprach einem neuen didaktischen Konzept, geographische Sachverhalte an gut geeigneten Beispielen zu demonstrieren und dann zu verallgemeinern. Es gab schon damals Diskussionen, wieweit das Kartenbeispiel ohne textliche Unterstützung Sinn macht. Aber nachdem viele Schulbücher noch nicht zum Mehrfarbendruck übergegangen waren und daher die Beispiele nicht direkt dort integriert werden konnten, sollten sie zumindest im Atlas vorkommen. Der Gletscherrückgang war schon vor Aufkommen der Klimawandel-Diskussion ein Thema. Durch langjährige Beobachtungen gab es dazu in Österreich genügend Material, das in Zusammenarbeit mit wissenschaftlichen Einrichtungen auch für die Atlanten verwendet werden konnte. (Beispiel aus der Ausgabe von 1983)

Zusammenschlüsse, 1983Anfang der 1980er-Jahre waren Europa und die Welt noch in zwei Blöcke geteilt: den westlichen demokratischen und den östlichen kommunistischen. Ein Schulatlas musste natürlich dazu einige Karten zeigen (hier aus der Ausgabe von 1983). Die Kartenredakteure waren aber auch Betroffene: Es war viel schwieriger, aus den kommunistischen Ländern aktuelle Daten und Karten zu bekommen. Wissenschaftliche und internationale Kontakte auf Kongressen und über Universitäten ermöglichten aber doch den einen oder anderen Materialientausch.

Flaggen, 1983Die bei Schülerinnen und Schülern heute so beliebte Flaggentafel wurde erst in die Ausgabe von 1979 aufgenommen. Einige der im gezeigten Ausschnitt von 1983 vorhandenen Länder gibt es heute nicht mehr, andere sind hinzugekommen. Auch Flaggen ändern sich immer wieder, besonders viele Veränderungen gab es naturgemäß nach dem Zusammenbruch der kommunistischen Systeme 1989. Aber wer kennt z.B. heute noch die Europafahne mit dem grünen E?

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