1961 | Die 100-Jahr-Ausgabe

1961 stand das 100-Jahr-Jubiläum des Kozenn-Atlas an. „Unsere Zeit bringt es mit sich, daß ein Atlas schneller veraltet, als es früher einmal der Fall war“, schrieb Hugo Eckelt im Vorwort zur Jubiläumsausgabe. Aufgrund ihres schwarzen Einbandes, der bald auf Rot geändert wurde, wurde sie im Verlag auch wenig respektvoll „Pompfüneberer-Ausgabe“ genannt. Hans Slanar sen. war 1955 gestorben und so übernahm mit Walter Strygowski nach Heiderich und Leiter wieder ein Professor an der Hochschule für Welthandel die Atlasbearbeitung. Er stellte den Atlas unter das Zeichen „des Strebens nach Ganzheit“ und meinte damit einerseits eine räumliche Erweiterung vorhandener Karten, andererseits die Zusammenstellung verwandter Kartenthemen zu „Gesamtbildern“. Zu allen physischen Karten der Regionen Europas gab es jetzt eine Wirtschaftskarte, zu den Kontinenten zwei Karten zu Land- und Forstwirtschaft und Bergbau und Industrie. Zum ersten Mal wurde auch eine Zeitzonenkarte gezeigt. Bei der Namenschreibung ist auch aufgrund vorhergegangener Diskussionen in wissenschaftlichen Medien ein verstärktes Ergänzen von deutschsprachigen Bezeichnungen durch die landessprachlichen Namen zu bemerken. Z.B. wurde Milano zu Mailand gestellt oder noch weiter gehend Sibiu anstatt Hermannstadt an die erste Stelle gereiht. Die damit beginnende Diskussion um die „richtige“ Benennung geographischer Objekte in Schulatlanten läuft mit je nach Zeitraum unterschiedlichen Antworten bis heute. 1968 wurde der Haupttitel entsprechend der Umbenennung der bisherigen Mittelschulen in „Österreichischer Atlas für höhere Schulen“ geändert. Daneben gab es weiterhin reduzierte Ausgaben für die Hauptschule. Mit dem Kartenmaterial gelang es nach dem Zweiten Weltkrieg wieder, verschiedene Fremdsprachenausgaben gemeinsam mit Partnerverlagen zu erstellen. Zu unterschiedlichen Zeiten hat es in Deutschland, Belgien, den Niederlanden, Großbritannien, den Vereinigten Staaten, der Türkei, Frankreich und natürlich weiterhin in Israel Abkömmlinge des Kozenn-Atlas gegeben.

Fremdenverkehr, 1961Zum ersten Mal gab es im Atlas von 1961 Darstellungen zum Sommer- und Wintertourismus in Österreich. Noch wurde das Thema „Fremdenverkehr“ genannt. Mittelberg, Seefeld und Kitzbühel waren die größten Wintersportorte. Die Trennung in einen vorwiegend von ausländischen Gästen besuchten Westen und einen eher von Inländern frequentierten Osten existierte schon damals. Die Darstellung mit unterschiedlichen und klassifizierten geometrischen Symbolen entspricht den damals modern werdenden Methoden der thematischen Kartographie. Es lagen zumindest für die entwickelten Länder nach dem Weltkrieg wieder genügend publizierte Statistiken vor, um sich über solche Karten zu „wagen“.

Bergbau und Industrie, 1961Bei der Darstellung der Wirtschaft in Schulatlanten gibt es zwei wesentliche Traditionen: alle Inhalte in einer Karte darstellen oder die einzelnen Wirtschaftssektoren getrennt zeigen. Strygowski entschied sich für die Trennung bei den Kontinentkarten und die gemeinsame Darstellung bei den größermaßstäbigen Regionalkarten. In beiden Fällen spielte der Dienstleistungssektor noch keine Rolle, der Schwerpunkt wurde auf Rohstoffe und Schwerindustrie gelegt.

Land- und Forstwirtschaft, 1961Interessant ist die Hervorhebung der Perlenfischerei an der australischen Küste und des Schildkrötenfangs als wichtiger wirtschaftlicher Aktivität vor Celebes.

Weltwirtschaft, 1961 Eine Neuerung war auch eine Karte der Weltwirtschaft auf einer Doppelseite (stark verkleinerte Abbildung), mit der versucht wurde, ein strukturelles Abbild der wirtschaftlichen Verflechtung der Welt zu zeigen. Die Flächen zeigen die Landwirtschaft und in Rot die Industriegebiete, große Symbole stehen für weltweit wichtigen Bergbau, die Pfeile und Bänder für den interkontinentalen Warenverkehr. Zum ersten Mal wurde die globalisierte Wirtschaft gezeigt, lange bevor der Begriff überhaupt verwendet wurde.

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