1951 | Neubeginn nach dem Zweiten Weltkrieg

Bei Kriegsende 1945 war der Verlag Hölzel fast stillgelegt. Die militärischen Aufträge waren vorbei, zivile Nachfrage gab es kaum. Durch einen Auftrag mit privaten Mitteln zur Erstellung des ersten hebräischen Schulatlas für das damals noch britische Mandatsgebiet Palästina konnte der Betrieb wieder aufgenommen werden. Es kam zu einem Wettlauf um den ersten österreichischen Nachkriegsatlas, der dann 1951 unter dem Namen „Österreichischer Mittelschulatlas“ bei Ed. Hölzel erschien. Die Bezeichnung „Kozenn-Atlas“ wanderte in den Untertitel. Hans Slanar sen. konnte nun viele Ideen nochmals umsetzen, die er schon im „Slanar-Atlas“ des Verlags Jugend&Volk von 1927 zum ersten Mal verwirklicht hatte: Viele vergleichende Fallbeispiele, noch mehr „angewandte“ (= thematische) Karten für alle Kontinente und die Erde, Abfolge von der Heimat zur Ferne. Durch die Umstellung vom Steindruck auf die photomechanische Reproduktion und den Offsetdruck wurden alle Karten neu gezeichnet, die Geländeschattierung von Schraffendarstellung auf eine flächenhafte Schummerung umgestellt und gleichzeitig eine neue Erdkartenprojektion in einer flächentreuen Eckert-Projektion, die später zu einer eigenen „Hölzel-Projektion“ modifiziert wurde und bis heute verwendet wird, eingeführt. Rund ein Drittel der Karten waren physisch, zwei Drittel thematisch, in der Vorgängerausgabe war es umgekehrt. Laut Vorwort zur 75. Auflage von 1951 gab es die Pläne zu dieser radikalen Neugestaltung schon seit „fast 20 Jahren“ (also bald nach Fertigstellung der Ausgabe von 1929). „Nach 12 Jahren intensiver Arbeit“ (also seit Slanars Verpflichtung von 1939) war der Atlas nun fertig. Daneben entstanden reduzierte Atlanten für die Hauptschulen in verschiedenen Länderausgaben.

Formen der Landwirtschaft„Formen der Landwirtschaft in verschiedenen Zonen“ (Karte etwas verkleinert) war ein neuartiges Beispiel für vergleichende Fallbeispiele, das in den noch länderkundlich orientierten Geographieunterricht eine damals neue Denkweise einführte. Die etwas verkleinerte Abbildung zeigt die rechte Hälfte der Doppelseite (wobei der Atlas um 90° gedreht werden musste). Die linke Seite ist komplett von der Darstellung einer „Kaffeplantage in São Paulo, Brasilien“ eingenommen, deren unteren Teil man in der Abbildung noch sieht.

Vergletschertes HochgebirgeBesonders schöne Beweise der Kunst der im Verlag tätigen Kartographen waren die neuen Beispiele zu den österreichischen Landschaftstypen im Maßstab 1 : 50 000. Im Gegensatz zu den sonstigen Karten, deren technische Bearbeiter anonym bleiben, wurde hier der Zeichner der Geländedarstellung, A. Eckhard, sogar namentlich angeführt. Der Gletscherstand war zwanzig Jahre alt, weil nach dem 2. Weltkrieg noch aktuelle Karten der amtlichen österreichischen Landesaufnahme fehlten.

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