1943 | Von Österreich zur Ostmark und zurück

Bis 1938 hatte der Verlag Hölzel in der angeschlossenen Druckerei die Umstellung von Steindruckpressen auf den modernen Offsetdruck geschafft. Mit dem Anschluss änderte sich jedoch das geschäftliche Umfeld. Der Verlag blieb zwar in Privatbesitz (1941 wurde das Haus Liechtenstein Kommanditist), wurde aber immer mehr zur Herstellung von Militärkarten herangezogen. Das bewahrte zwar einen Teil des technischen Stammpersonals vor dem Kriegsdienst, führte aber zu einer Reduktion der Aktivitäten bei den Schulatlanten. So gab es 1943 eine Neuauflage des Kozenn-Atlas, die gegenüber der Ausgabe von 1929 kaum Änderungen brachte. Am Titelblatt fehlten jetzt Güttenberger und Leiter als Bearbeiter und natürlich auch die Approbation durch das österreichische Unterrichtsministerium. Der Heimatteil hieß weiterhin „Die Heimat“, aus „Österreich“ wurden die „Alpen- und Donaugaue“ (nicht die „Ostmark“!), die thematischen Österreichkarten wurden durch Umgebungskarten einiger Landeshauptstädte ersetzt. Das Beispiel zur „Österreichischen Neuaufnahme“ hieß nur mehr „Neuaufnahme“. Im Verlag arbeitete als geographischer Berater schon Hans Slanar sen., der 1938 als Gymnasialdirektor entlassen worden war. Laut Firmenhistorie wurde neben den militärischen Aufträgen schon „heimlich durch viele Jahre hindurch“ an einem neuen Atlas für die Nachkriegszeit gearbeitet.

Mitteleuropa-Karte, 1936Großdeutschland-Karte, 1943Die Mitteleuropa-Karte von 1936 (links) wurde zur „Großdeutschland-Karte“ von 1943. Neben den politischen Umstellungen in Ost- und Südosteuropa wurden auch an der Westgrenze politische Änderungen eingetragen: Elsass-Lothringen, Luxemburg und das Gebiet der deutschsprachigen Gemeinschaft in Belgien wurden dem Deutschen Reich einverleibt.

Brief Hugo Eckelt, 1938Ein Schreiben des Firmenchefs Hugo Eckelt nach dem Anschluss 1938 an die Geographielehrer (jetzt eigentlich „Erdkundelehrer“, weil die Lehrpläne an das Deutsche Reich angepasst wurden). Anscheinend gab es gleich Bestrebungen der deutschen Konkurrenzverlage, auch den österreichischen Markt mit „regimekonformen“ Atlanten zu übernehmen.

Völker und Kulturen, 1936Aus der Karte der „Völker und Kulturen nach Karl Sapper“ von 1936  wurde eine Karte der „Rassen“. Der Verbreitung der Deutschen wurde 1943 auf Kosten der Erdkarte der Religionen ein eigenes Kärtchen gewidmet.

RassenEine kartographische Neuerung war die Umstellung von der rechteckigen Mercator-Projektion mit starker Flächenverzerrung auf die elliptische flächentreue Mollweide-Projektion.

 

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