1929 | Die 50. Auflage ist erreicht

1925 übernahm mit Hugo Eckelt eine für viele Jahrzehnte prägende Persönlichkeit den Verlag. Nach dem Tod Franz Heiderichs 1926 wurden der Schulgeograph Heinrich Güttenberger und der Professor an der Hochschule für Welthandel Hermann Leiter mit einer Neubearbeitung des Atlas beauftragt. Mit der 50. Auflage des Kozenn-Atlas (der jetzt zum ersten Mal offiziell so hieß) kam es zu einigen Anpassungen des Konzeptes an den nunmehrigen Kleinstaat Österreich. Hatte der Heimatteil in den Ausgaben bis 1918 einfach „Geographie von Österreich-Ungarn“ geheißen, hieß er jetzt „Die Heimat“. Die früheren Karten der Kronländer wurden durch im Maßstab natürlich detailreichere Karten der Bundesländer ersetzt. Völlig neu war die Aufnahme von Schrägluftbildern österreichischer Landschaften im Vergleich mit dem Kartenbild. Bei den Regionalkarten Europas wurden jetzt jeder physischen Karte getrennte Nebenkärtchen zur Landwirtschaft und Bergbau/Industrie beigegeben. Eine wichtige äußerliche Veränderung gab es mit der 50. Ausgabe auch: Zum ersten Mal wurden die Blätter doppelseitig bedruckt. Nach dem Zusammenbruch des Fremdsprachenmarktes mit dem Zerfall der Monarchie gelang es mit dem neuen Kartenmaterial wieder, Exportmärkte zu finden. Es entstanden Atlanten für Jugoslawien, Polen, Bulgarien und die Türkei.

Weltstädte -New YorkMit einer Kartenseite zu den „Weltstädten“ wurde zum ersten Mal der Gedanke des Vergleichs geographischer Objekte über verschiedene Regionen hinweg im Atlas verwirklicht. Gezeigt wurden der damaligen Bedeutung entsprechend nur europäische und eine nordamerikanische Stadt: London, Berlin, Wien, New York, Paris und Hamburg. Es erfolgte nur eine einfache Differenzierung zwischen verbautem Gebiet und Umgebung.

Wasserkraft, 1929Zum ersten Mal tauchte in der Ausgabe von 1929 das Thema „Wasserkraft“ auf. Man erkannte das große Potenzial in den Alpenländern und versuchte es mit wenigen statistischen Daten zu berechnen. Interessant ist die Darstellung der „Großkraftwerke“, die in Frankreich, der Schweiz und Österreich schon einen starken Ausbau in den alpinen Flusstälern zeigt. Die Donau war dagegen noch fast unverbaut.

Gütererzeugung der ErdeWirtschaftsübersichten wurden im Kozenn-Atlas von Ausgabe zu Ausgabe bedeutender. 1929 erschienen erstmals Kärtchen zu den „Wirtschaftsstufen“ der Erde nach Karl Sapper und zur Gütererzeugung der Erde I (landwirtschaftliche Produkte) und II (Bergbau und einige Grundstoffe). Die Erdöllagerstätten wurden noch unter „Petroleum“ angezeigt. Interessant ist die Auswahl der Wal- und Robbenjagd als wichtige Güter. Industrielle Produkte wie Maschinen oder Fahrzeuge fehlen noch.

Prospekt zur 50. Auflage 1928 (geschrieben im April 1928):
„Ein dreifaches Ziel soll erreicht werden: der Schüler soll in das Verständnis der Karten verschiedenen Maßstabes und Inhaltes eingeführt und zur Benützung der Karte erzogen werden; die Karte soll Denkanstöße auslösen, die das räumliche Nebeneinander als Ergebnis der Wechselwirkung zwischen den geographischen Faktoren erkennen und verstehen lehren; der Schüler soll befähigt werden, sich unter Führung des Lehrers ein Gesamtbild der geographischen Räume, ihrer dinglichen Erfüllung im Wechselverhältnis von Natur- und Kulturlandschaft zu erarbeiten. Um diesen Zwecken zu genügen, wurde bei jeder einzelnen Karte auf lehrplanmäßige Vollständigkeit, wissenschaftliche Genauigkeit und methodische Lesbarkeit streng geachtet.“ „ Aufnahmen aus dem Flugzeuge […] Stellung Österreichs in seinen Beziehungen zum Deutschen Reich und den Nachfolgestaaten […] Geographie unseres Vaterlandes […] Mittelmeerländer […] Polarregionen […] Nebeneinanderstellung der größten Städte der Erde […] Eisenbahnnetze neu […] Forderungen der modernen Wirtschafts- und Kulturgeographie […] Weltwirtschaft und Innigkeit der Völker- und Kulturbeziehungen […] geopolitisch […] von der Heimat zur Fremde […] handsames Format, geringes Gewicht und ein billiger Preis […]“

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