1897 | Der Aufbruch in das 20. Jahrhundert

Nach dem Tod von Hugo Hölzel wurde der Prokurist Wilhelm Zwierzina Leiter des Verlages und sorgte 1897 für eine weitere Neubearbeitung durch Vinzenz von Haardt und Wilhelm Schmidt. Letzterer verfasste zu dem auf fünf Seiten erweiterten astronomischen Teil eine 20-seitige (!) textliche Einführung. Die Atlaskarten wurden gegenüber den Vorgängeratlanten gründlich inhaltlich und optisch überarbeitet und um weitere thematische Karten erweitert. 1901 wurde erstmals Franz Heiderich als weiterer Bearbeiter angeführt, der in den folgenden Jahren als Professor an der 1898 gegründeten Exportakademie die Wirtschaftsgeographie verstärkt in die Kozenn-Atlanten brachte. 1904 erschien die erste italienische Ausgabe des Kozenn-Atlas, bearbeitet von Michele Stenta.

TerrainzeichnungBis zum Zweiten Weltkrieg wurden die Karten des Kozenn-Atlas im Steindruck (Lithographie) hergestellt. Flächen mussten in Striche und Punkte zerlegt werden, die unterschiedlich groß sind und verschieden eng beisammen liegen. Zur Darstellung der Geländeformen wurden so genannte Schraffen verwendet, kleine regelmäßig angeordnete Strichfolgen, mit denen man dünklere Schattenpartien und hellere Sonnenpartien zeichnen kann. In der Ausgabe von 1897 werden die Elemente der Terrainzeichnung beispielhaft an verschiedenen geometrischen Formen und Geländeformen vorgestellt.

Karte des Colonial-VerkehrsDie Karte des „Colonial-Verkehrs“ war eine der ersten thematischen Karten im Kozenn-Atlas. Sie zeigt den um 1900 schon regelmäßigen Schiffsverkehr zwischen den verschiedenen Kontinenten, keineswegs nur zu den Kolonien. Auch die atlantischen Telegraphenkabeln sind zu sehen – das erste dauerhafte wurde 1866 zwischen der in der Karte eingetragenen Insel Valencia und Neufundland verlegt. Afrika ist schon großteils zwischen den Kolonialmächten aufgeteilt, Österreich-Ungarn hat die Farbe für „Staaten ohne Colonien“. Auffallend ist auch die Eintragung von Timbuktu, magischer Ort für viele Afrikaforscher.

Ein Schulatlas muss nicht nur inhaltlich interessant, lehrplangerecht und optisch gut lesbar sein, sondern ist ein Unterrichtsmittel, das auch den praktischen Anforderungen des Unterrichts genügen soll. Dabei war das Atlasformat bei der Ausgabe von 1897 ein besonderes Thema, wie einige Verlagsaussendungen zeigen. Die ersten Auflagen des Kozenn-Atlas wurden einerseits im Quer-Quartformat (32 x 25 cm) ohne Faltung der Kartenblätter und andererseits in der Hälfte „gebrochen“ im Groß-Oktavformat (16 x 25 cm) angeboten. In den Folgejahren gab es nur mehr die gebrochenen Ausgaben, während 1897 wieder auf das ungefaltete Querformat, aber jetzt mit 32 x 30 cm, umgestellt wurde. Das wurde mit verschiedenen guten Argumenten begründet:
„Bei unserem Format ist vermieden, dass manche Karten vom Seitenrande aus betrachtet werden und dann der atlas quer über die Schulbank gelegt werden muss, was für den Gebrauch höchst unbequem ist.“ „[…] die Größe des gewählten Formates wird gebilligt, weil es dadurch ermöglicht wurde, neben dem betreffenden Hauptgegenstande noch seine Umgebung in einer weiteren Umrahmung zu berücksichtigen, […].“ „[… wir haben uns] für das ungebrochene Format entschieden, weil es die Gegenüberstellung und den Vergleich physischer und politischer, besonders physikalischer und statistischer Karten […] gestattet, und weil bei gebrochener Karte ihr wichtigster Theil, die Kartenmitte, überhaupt die Gegend ihres mittleren Meridians, […] stark beeinträchtigt und sehr leicht Beschädigungen ausgesetzt ist.“

Anscheinend gab es mit dem größeren Format aufgrund der engen Schulbänke aber doch zu viele Probleme, wie zwei weitere Aussendungen und letztlich die Wiedereinführung der gebrochenen Ausgabe zeigt:
„[…] sind wegen des grossen Formates der Karten Bedenken geäußert worden. Infolgedessen erlaube ich [Zwierzina] mir darauf aufmerksam zu machen, dass in den für die Schüler bestimmten Exemplaren durch Beschränkung der Ränder (auch des inneren Randes der Karten) die Breite des aufgeschlagenen atlasses auf 61 Centimeter reduziert werden wird, so dass das solcherart verkleinerte Format selbst in dem auf das knappste bemessenen Bankraum nicht mehr stören dürfte.“ „Da nun in einigen Zuschriften der Wunsch nach dem kleineren Format mit gebrochener Karte geäußert wurde […]“

Zeitschrift für Schulgeographie, Wien, 1902, zur Ausgabe 1901:
„Wir freuen uns, in diesem vollständig neuen Atlas ein Werk begrüßen zu können, das von einheimischen Fachmännern bearbeitet und von der einheimischen Industrie ausgeführt, einen ehrenvollen Platz in unserer Schulliteratur einnimmt und den Vergleich mit den besten Erzeugnissen des Auslandes nicht zu scheuen braucht. Es ist kein Zweifel, daß, was Terrainzeichnung und Genauigkeit der Darstellung anbelangt, der neue Kozenn der beste Atlas ist, den wir haben; es wird kaum notwendig sein, seine Vorzüge zu beleuchten.“

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