1877 | Die Ära nach Kozenn beginnt

1871 starb Blasius Kozenn. Es dauerte bis 1877, bis mit Friedrich Umlauft ein neuer Bearbeiter gefunden wurde. Die nächsten 20 Jahre waren durch laufende kleinere Veränderungen, Erweiterungen und Umstellungen im Karteninhalt und in der Darstellung geprägt. Ab 1880 übernahm Vinzenz von Haardt die kartographische Bearbeitung und führte in verschiedenen Schritten eine damals moderne Geländedarstellung mit Schraffen und Höhenfarben ein. 1877 wurde die erste Erdkarte in Planisphären-Darstellung (Mercator-Projektion) aufgenommen, allmählich tauchten auch thematische Karten auf (zuerst eine Eisenbahnkarte, dann eine Völkerkarte der Monarchie). Am 21. Dezember 1885 starb in Salzburg der Firmengründer Eduard Hölzel und sein Sohn Hugo übernahm das Unternehmen gemeinsam mit seinem Schwager Emil Kosmack (1840-1893). 1887 erschien die erste kroatische Ausgabe, bearbeitet von Augustin Dobrilović, Direktor des k.k. staatlichen Gymnasiums in Kotor. Hugo Hölzel starb 1895 mit 43 Jahren. Die Firma ging auf seine Witwe über, die damit die letzte Eigentümerin aus der Hölzel-Familie wurde.

Hugo Hölzel (geboren 12.2.1852 in Olmütz, gestorben 15.12.1895 am Semmering) war der zweitälteste Sohn von Eduard Hölzel. Er übernahm das Unternehmen, weil der älteste Sohn Adolf eine künstlerische Laufbahn einschlug und dabei einer der Wegbereiter der abstrakten Malerei wurde.

1878 besetzte Österreich-Ungarn aufgrund der Beschlüsse des Berliner Kongresses das bis dahin osmanische Bosnien und Herzegowina sowie den Sandschak Novipazar (in der Karte „Novipasar“). Die Ausgabe von 1880 zeigt diese Gebiete schon abgetrennt vom Rosa des Osmanischen Reiches, aber in einem etwas dunkleren Gelb als die kroatischen Gebiete der Monarchie. Auch das ebenfalls 1878 unabhängig gewordene Fürstentum Montenegro ist in Blau zu erkennen, ebenso Serbien, bis zum Ersten Weltkrieg mit der Hauptstadt Belgrad als Grenzstadt zu Österreich-Ungarn.

Planigloben, 18801880 zeigt die Planigloben-Darstellung der Erde schon den Wechsel vom Nullmeridian von Ferro (heute Hierro, die westlichste der Kanarischen Inseln) zu Greenwich, obwohl letzterer erst 1884 auf der internationalen Meridiankonferenz in Washington für die internationale Kommunikation für verbindlich erklärt wurde. Interessant ist auch die Einzeichnung der Route der Weltumseglung durch die Fregatte Novara, die erste und einzige durch die österreichische Kriegsmarine.

Balkan, Ausgabe 18801878 besetzte Österreich-Ungarn aufgrund der Beschlüsse des Berliner Kongresses das bis dahin osmanische Bosnien und Herzegowina sowie den Sandschak Novipazar (in der Karte „Novipasar“). Die Ausgabe von 1880 zeigt diese Gebiete schon abgetrennt vom Rosa des Osmanischen Reiches, aber in einem etwas dunkleren Gelb als die kroatischen Gebiete der Monarchie. Auch das ebenfalls 1878 unabhängig gewordene Fürstentum Montenegro ist in Blau zu erkennen, ebenso Serbien, bis zum Ersten Weltkrieg mit der Hauptstadt Belgrad als Grenzstadt zu Österreich-Ungarn.

Aus einem Circular über Kozenn´s Geographischen Schulatlas (23. Auflage 1878)
„Den Karten dieses Schul-Atlas lag bisher ausnahmslos der Null-Meridian nach der Insel Ferro zu Grunde. Die vielfachen und gewichtigen Gründe jedoch, die sich immer mehr gegen die ausschliessliche Anwendung jenes idealen Meridians geltend machen, haben die Veranlassung geboten, die neu bearbeiteten Karten von Afrika, Vorder- und Hinterindien und Australien nach dem Null-Meridian von Greenwich zu orientiren. Dieser Grundsatz wird in Hinkunft bei allen zur Neubearbeitung gelangenden Karten von außereuropäischen Erdtheilen und Ländern zur Durchführung
kommen.“

Aussendung 30.3.1884 (29. Auflage)
„Die alljährlich erscheinenden neuen Auflagen werden selbstredend auf das sorgfältigste revidirt, […].“ „[…] so bringt die 1884er (29.) Auflage des Atlasses beispielsweise eine neue Karte von Afrika. […] Mögen auch jene Herren Professoren, die bisher ausländischen Producten oder dem von einer unbeeinflussten Kritik ausnahmslos absprechend beurtheilten Producte der k. k. Hof- und Staatsdruckerei* den Vorzug gaben, nun den Kozenn’schen Atlas ihren Vorträgen zu Grunde legen. Die Herren erfüllen damit eine patriotische Pflicht und setzen einen österreichischen Verleger, der sich nicht wie Staatsdruckereien der Steuerfreiheit erfreut oder subventionirt wird, in die Lage, auch ferner im Interesse der Schule zu wirken, wie ich es bisher durch zahlreiche kostspielige Publicationen gethan habe; […].“ * Der „Trampler‘sche Schulatlas“ von 1883, gegen den Eduard Hölzel heftig polemisierte: „Trotzdem hat es eine österreichische Staatsanstalt aus geradezu unerklärlichen Gründen für nöthig befunden, dem Steuerträger in der heutigen sorgenvollen Zeit, in welcher alle Geschäfte in`s Stocken gerathen, in welcher geradezu eine unbedingte Förderung fleissiger und nützlicher Bestrebungen eines Privatmannes durch den Staat auf das dringendste geboten erscheint, wenn der Muth nicht sinken soll – in dieser Zeit eine Concurrenz zu bieten, welche nicht durch die Leistung, sondern durch die Firma des Staates, unter welcher dieselbe inscenirt wird, in hohem Grade schädigend werden kann, wie dies bereits hinlänglich bewiesen ist.“ „Das Vorgehen der k. k. Hof- und Staatsdruckerei nöthigt mich, auf den bescheidenen mir gebührenden Gewinn zu verzichten und vom künftigen Schuljahre an eine Preisermässigung des Kozenn´schen Atlasses eintreten zu lassen.“

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